Nur die bessere Hälfte eines Herbizids wirkt

publiziert am 04.12.2012 auf der News-Website der Schweizer Bundesverwaltung

Wädenswil, 04.12.2012 - Ein und derselbe chemische Wirkstoff kann zwei Molekül-Formen enthalten, die wie Bild und Spiegelbild zueinander stehen. Fachleute von Agroscope entwickelten ein Verfahren zur Trennung der beiden Formen, die im Herbizid Beflubutamid vorhanden sind. Sie konnten nachweisen, dass nur die eine Form gegen Unkräuter wirkt, während die andere vollkommen inaktiv ist. Gelänge es, die wirksame Form im industriellen Massstab rein herzustellen, könnte so die Herbizid-Aufwandmenge in der Landwirtschaft halbiert werden.

Der massvolle und gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist eine wichtige Grundlage einer nachhaltigen Landwirtschaft. Agroscope entwickelt deshalb Strategien, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz weiter zu reduzieren und doch die erwünschte Wirkung zu erzielen. Ein möglicher Ansatzpunkt besteht darin, dass in Wirkstoffen nur noch die wirksame von zwei Molekül-Formen enthalten ist (Details siehe Kasten) - etwa beim Herbizid Beflubutamid.

Aktive Form einsetzen - Umwelt schonen

Beflubutamid ist ein modernes Herbizid gegen Unkräuter im Getreidebau, das derzeit als Gemisch von zwei spiegelbildlichen Formen auf dem Markt ist - die beiden Formen sind zu je 50 Prozent im Produkt vorhanden. Um die Eigenschaften von Bild und Spiegelbild von Beflubutamid untersuchen zu können, entwickelte Agroscope ein analytisches Verfahren zur Gewinnung von kleinen Mengen der beiden Formen. Deren Wirkung auf Unkräuter wurde anschliessend im kleinen Massstab untersucht. Die Fachleute konnten dabei zeigen, dass nur eine der beiden spiegelbildlichen Formen gegen Unkräuter wirkt, während die andere vollkommen inaktiv ist.

Würde man das heute auf dem Markt befindliche Produkt durch eines ersetzen, welches nur die aktive Form enthält, liesse sich damit die Herbizid-Aufwandmenge halbieren - bei gleicher Wirkung auf die Unkräuter. Mit solchen Pflanzenschutzmitteln kann man zudem vermeiden, dass inaktive Verbindungen als unnötiger „Ballast" in die Umwelt gelangen.

Bild und Spiegelbild bei chemischen Verbindungen

Wenn ein und derselbe chemische Wirkstoff in zwei Molekül-Formen vorliegt, die wie Bild und Spiegelbild zueinander stehen, spricht man von Enantiomeren. Diese unterschiedlichen Formen einer chemischen Verbindung unterscheiden sich zwar nicht in der Menge und Art der Bindungen zwischen den Atomen, aber durch geringfügige Unterschiede in der räumlichen Anordnung der Atome. Enantiomere haben deshalb oft unterschiedliche biologische Eigenschaften (z.B. herbizide Wirkung), während die chemischen und physikalischen Eigenschaften mit wenigen Ausnahmen identisch sind (z.B. Wasserlöslichkeit). Die Herstellung von enantiomerenreinen Verbindungen ist aber noch aufwändig und teuer.

Bildlegende: Herbizidwirkung der aktiven Form von Beflubutamid(links). Das Herbizid bewirkt ein Ausbleichen der Blattpigmente, was letztlich zu einer Störung der Photosynthese führt. Das Pflänzchen rechts wurde mit der gleichen Menge der inaktiven Form behandelt und zeigt eine normale Blattfärbung.

Erste grössere Schäden durch Pfirsichwickler

publiziert am 03.12.2012 auf der Website des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements

Changins, 03.12.2012 - Obwohl der Pfirsichwickler (Grapholita molesta) seit mehreren Jahrzehnten in der Schweiz vorkommt, wurde seiner Anwesenheit bis anhin kaum Beachtung geschenkt. Dieses Jahr verursachte dieser Falter jedoch zum ersten Mal grössere wirtschaftliche Verluste im Westschweizer Pfirsich- und Birnenanbau. Agroscope hat sich dem Schädling angenommen und wird basierend auf spezifischen Sexualduftstoffen (Pheromone) und Viruspräparaten nun eine nachhaltige Bekämpfungsstrategie ausarbeiten.

Ursprünglich in Asien beheimatet hat sich der Pfirsichwickler im letzten Jahrhundert weltweit in den Obstbaugebieten der gemässigten Zone angesiedelt. In der Schweiz und insbesondere im Tessin kommt der Schädling nun schon seit bald 80 Jahren vor, ohne dabei von grösserer ökonomischer Bedeutung zu sein. Der Pfirsich ist seine wichtigste Wirtspflanze, doch Birne, Apfel, Quitte, Aprikose und Pflaume können ebenfalls befallen werden. Die nachtaktiven Adulten sind nur etwa 16 mm gross und unscheinbar graubraun. Die Weibchen legen um die 50 einzelne, grauweisse Eier auf Blätter und Früchte, aus denen nach wenigen Tagen kleine, weissliche Larven schlüpfen. Diese bohren sich in die Endknospen von Trieben oder in Früchte ein, durchlaufen dort fünf Larvenstadien und suchen danach einen geschützten Ort zur Verpuppung auf. Der Lebenszyklus des Pfirsichwicklers dauert je nach Wirtspflanze und Temperatur zwischen 4 bis 7 Wochen. Insgesamt durchläuft das Insekt in unseren Gefilden zwischen April und Oktober vier bis fünf Generationen, wobei sich die einzelnen Generationen ab dem Sommer überlagern.

Grössere Schäden

In diesem Jahr signalisierten die Westschweizer Produzenten zum ersten Mal grössere Schäden bei Pfirsichen und Birnen. In einzelnen Obstanlagen der La Côte waren mehr als 10 % der Früchte befallen. Weitere Abklärungen von Agroscope haben bestätigt, dass es sich bei den Larven, die in den befallenen Früchten gefunden wurden, um Larven des Pfirsichwicklers handelte.

Nachhaltige Bekämpfung

Der Pfirsichbaum ist der Hauptwirt des Pfirsichwicklers. Stehen solche Bäume in der  Nähe anderer Obstanlagen, sollten diese einer verstärkten visuellen Kontrolle unterzogen werden, denn Birne, Apfel, Quitte, Aprikose und Pflaume können auch befallen werden. Der Einsatz der Verwirrungstechnik mittels Sexualduftstoffen (Pheromone) kann in Anlagen, die bereits dieses Jahr vom Pfirsichwickler befallen wurden, eine Reduktion der Wicklerpopulation bewirken. Pheromondispenser, die gegen den Kleinen Fruchtwickler (Grapholita lobarzewskii) eingesetzt werden, wirken ebenfalls gegen den Pfirsichwickler. Ausserdem ist in der Schweiz bereits ein artspezifisches Pfirsichwickler-Virenpräparat bewilligt. Der gezielte Einsatz dieser beiden Bekämpfungsmethoden wird den Befallsdruck deutlich senken. Daneben werden Insektizide, die in den Kulturen gegen die herkömmlichen Falter und Wickler eingesetzt werden, die Pfirsichwicklerpopulation zusätzlich dezimieren.

Agroscope fordert die Produzenten und die kantonalen Fachstellen dazu auf, wachsam zu sein und mögliche Schäden zu melden. Gleichzeitig wird Agroscope mit den verschiedenen Akteuren nachhaltige Bekämpfungsstrategien ausarbeiten, welche in die Integrierte Produktion und in den Biolandbau integriert werden können.

Bauer Stöckli und die Stögelischuhe

publiziert am 30.11.2012 auf Blick.ch

Die russische Mieterin vom Bauern-Ehepaar Stöckli witterte eine Verschwörung nach der anderen. Sie habe Teile des Parketts rausgerissen und Löcher in die Tür getreten, sagen die Stöcklis.
Die Akten im Fall Lioudmila S.* (41) bedecken den ganzen Esstisch. «Die Russin hat uns fast wahnsinnig gemacht», sagt das Ehepaar Erika (60) und Walter Stöckli (53) aus Hinwil ZH. «Sie behauptet, wir hätten sie mit Abgasen unserer Traktoren vergiftet.»

Als die geschiedene Russin 2008 ins Haus der Bauernfamilie Stöckli einzieht, scheint alles in bester Ordnung. «Sie zahlte ihre Miete pünktlich. Es gab keine Probleme.»

Im Frühling 2011 ändert sich das. Aus der Muster- wird plötzlich eine Problem-Mieterin. «Sie beschuldigte mich, ich würde ständig meine Traktoren im Leerlauf laufen lassen», sagt Walter Stöckli.

In einem der Briefe an die Stöcklis schreibt Lioudmila S.: «Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand kann sich in dieser Wohnung aufhalten. Es ist kaum möglich, den katastrophalen, scheusslichen Gestank aus der Wohnung wegzulüften.» Alles sei schon voller Russ.

Für Landmaschinen-Mech Walter Stöckli völlig absurd. «Ich lasse meine Traktoren doch nicht zum Spass laufen. Wenn das so wäre, wäre auch unsere Wohnung betroffen.»

Ausraster in der Nacht

In der Nacht zum 1. November 2011 flippt die Russin komplett aus. «Morgens um halb vier schrie sie auf der Terrasse rum: ‹Ihr wollt mich vergiften!›», sagt Erika Stöckli. Minuten später donnert es an ihre Tür. Die zwei Löcher sind heute noch zu sehen. «Sie trug wohl Stögelischuhe, als sie die Tür eintreten wollte», so Erika Stöckli.

Die Polizei muss die Russin beruhigen. Stunden später geht es erneut los. «Wieder mussten wir die Polizei rufen! Wir haben dann eine Anzeige wegen Sachbeschädigung gemacht.»

Vor ihrem Auszug im letzten Januar gibt die Russin noch einmal alles: Sie verwüstet ihre Wohnung! «In einem Zimmer riss sie Teile des Parketts raus», erzählt Walter Stöckli. «Damit ging sie zu den Behörden. Sie wollte, dass diese am Parkett riechen, weil es nach Abgas stinke.»

Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil wegen der Sachbeschädigung akzeptiert die Russin nicht. Es hatte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Franken und einer Busse von 200 Franken verurteilt.

Zweifel an Schuldfähigkeit

Gestern stand Lioudmila S., die von Sozialhilfe lebt, darum vor dem Zürcher Obergericht. «Sie sagten, dass Sie sogar zu wenig Schaden verursacht hätten?», fragt der Gerichtspräsident. Die Russin geht nicht darauf ein: «Ich habe Asthma. Herr Stöckli hat das Haus mit Abgasen gefüllt. Alles steckte in den Backsteinen.»

Nach einer halben Stunden brach das Gericht die Verhandlung ab. «Wir glauben, dass sie eine Verteidigung benötigen und Zweifel an ihrer Schuld­fähigkeit bestehen», so der Gerichtspräsident. Nun muss sich die Vorinstanz nochmals mit der Russin befassen.

Auch das Ehepaar Stöckli hat noch immer keine Ruhe. «Sie hat uns kürzlich beim Veterinäramt angezeigt. Wir würden zu unseren Schweinen und Kälbern nicht gut schauen», so Walter Stöckli.

* Name der Redaktion bekannt

Neuer Schädling - zwangsläufig schädlich?

publiziert am 26.11.2012 auf der Website des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements

Cadenazzo, 26.11.2012 - Bei der Rebenminiermotte Phyllocnistis vitigenella handelt es sich um einen neuen, exotischen Schädling aus den Tessiner Rebbergen, der sich in der Region stark ausbreitet. Seine deutlich erkennbaren Schäden beunruhigen die Weinbauern, und sie befassen sich daher mit der Frage seiner potenziellen Schädlichkeit. 2011 untersuchte Agroscope in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule von Changins im Rahmen einer Bachelorarbeit die Schädlichkeit dieser Motte. Grundlage bildete die Rebsorte Merlot aus einem stark befallenen Rebberg. Dank des Ergebnisses kann der nötige Grundstein für die Entwicklung einer Bekämpfungsstrategie gelegt werden.

Das Tessin, ein eingenommenes Gebiet

P. vitigenella ist ein Kleinfalter aus Nordamerika, der zum ersten Mal 1994 in Europa, genauer in Ostitalien, auftrat. Von da breitete sich das Insekt aus und überschritt 2009 die Schweizer Grenze. Seit seiner Entdeckung hat Agroscope dessen Ausbreitung genau verfolgt. Letztere erfolgte sehr schnell und zum heutigen Zeitpunkt sind sämtliche Weinbaugebiete des Kantons Tessin von kontinuierlich wachsenden Populationen besiedelt. Ausnahme bildet das Südtessin, wo das Insekt zum ersten Mal aufgetreten ist. Diese rasche Verbreitung und die zunehmende Populationsdichte geben Anlass zu Besorgnis, was seine wirkliche Schädlichkeit anbelangt. Infolgedessen stellt sich die Frage, ob Bekämpfungsstrategien entwickelt werden müssen, damit die Schäden in den Rebbergen begrenzt werden können.

Zuerst die Schädlichkeit ermitteln

Die Rebenminiermotte bringt im Tessin drei Generationen im Jahr hervor. Die Larven fressen sich durch das Blattgewebe und legen so lange Miniergänge an. Die Anzahl Gänge nimmt bei der dritten Generation stark zu, die sich entsprechend der Traubenreife entwickelt. Die Untersuchung dieses Schadens hat gezeigt, dass die Miniergänge die Photosynthese-Aktivität der gesunden Teile der befallenen Blätter nicht senken und keinen Einfluss auf Traubenertrag und -reifung haben. Die Pflanze scheint die Schäden der Rebenminiermotte also scheinbar zu tolerieren, womit die Motte als nicht schädigend betrachtet werden kann. Ihre Unschädlichkeit hängt jedoch auch davon ab, welche Anbau-Massnahmen der Weinbauer ergreift: Fallen die Blattschäden mit zu hohem Traubenbehang, zu grossem Auslauben und zu grossem Laubschnitt bei der Traubenreife zusammen, könnte dies zu einem Qualitätsverlust führen. Es ist also fundamental, die Produktion zu begrenzen und die Blattfläche gut zu pflegen. Ausserdem könnte der Klimawandel das Verhalten der Motte künftig verändern, ist doch die Entwicklung eines Insekts in erster Linie temperaturabhängig. Eine schrittweise Klimaerwärmung könnte P. vitigenella dazu verleiten, vier Generationen oder mehr zu entwickeln. In diesem Fall müsste ihr Einfluss überprüft werden.

Die aktuelle Unschädlichkeit der Motte ermöglicht die Suche nach einer ökologischen Waffe

Die Feststellung, dass diese Motte unschädlich ist, ist wichtig, damit Bekämpfungsmassnahmen entwickelt werden können, die sich auf die Nutzung natürlicher Gegenspieler stützen. Entgegen der Entwicklung bei anderen exotischen Schädlingen haben sich nämlich einheimische Nützlinge, in diesem Fall Parasitoide, bereits P. vitigenella angepasst. Der Parasitierungsgrad liegt bei etwa 17 %. Die Nutzung vorliegender natürlicher Gegenspieler ist zentral, um eine biologische Kontrolle dieses Schädlings zu garantieren. Damit diese Kontrolle jedoch auf Dauer verbessert und stabilisiert werden kann, muss der Zusammenhang zwischen der Rebenminiermotte, den Parasitoiden und der Umgebung des Rebbergs noch erforscht werden.

Jäger brauchen Fuchs als Wegweiser

publiziert am 24.11.2012 auf 20min.ch

Ein Fuchs hängt am Samstagmorgen tot an einem Strassenschild im Kanton Bern. Ein Bild, das auch die Polizei beschäftigt. Die Verantwortlichen sind schnell gefunden, sehen in ihrer Aktion aber kein Problem.

Leser-Reporter R. musste zwei Mal hinsehen, als er am Samstagmorgen in Stettlen BE den Schwandiweg passierte. Am Wegweiser am Strassenrand hing ein Tier! Bei genauerem Hinsehen wurde R. klar: Es handelt sich um einen Fuchs.

«Er war auf eine Art Holzgestell gespannt – diese Konstruktion war dann am Metallpfahl des Schilds befestigt», erzählt R.. Das skurrile Bild beschäftigte auch die Berner Kantonspolizei. Beamte fuhren eigens nach Stettlen, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. Die Polizisten nahmen den aufgehängten Fuchs herunter und beschlagnahmten ihn.

«Die Patrouille stellte fest, dass der Fuchs schon einige Zeit tot war. Vom Tier ging ein ziemlich starker Verwesungsgestank aus», erklärt Mediensprecherin Alice Born auf Anfrage. Da in der Gegend am Samstagmorgen eine Fuchsjagd stattfand, fiel der Verdacht schnell auf den entsprechenden Jagdverband. «Der zuständige Wildhüter wird das Gespräch mit den Leuten suchen», so Born.

Fuchs diente als Wegweiser

Und tatsächlich – auf Anfrage beim Berner Jägerverband ist das Rätsel schnell gelöst. «Wir haben den Fuchs als Wegweiser aufgehängt, damit die Jäger leichter zum Treffpunkt finden», erklärt Verbandspräsident Lorenz Hess. Er stellt aber klar: «Es war nicht das ganze Tier, sondern nur das Fell eines Fuchses, der vor einiger Zeit erlegt worden war.» Weshalb die Polizei von einem Verwesungsgeruch spricht, kann er sich nicht erklären.

Am ungewöhnlichen «Wegweiser» sieht er denn auch nichts Despektierliches. «Es gibt auch Restaurants, die den Gästen mit Fellen den Weg weisen», so Hess. Er habe auch keine negativen Reaktionen bekommen. «Die Fuchsjagd wird hier in der Gegend allgemein sehr positiv aufgenommen. Die Leute sind froh, wenn wir die Zahl der Füchse etwas reduzieren. Wenn wir unterwegs auf Hündeler oder Spaziergänger treffen, werden wir immer freundlich gegrüsst.»

Unter den 20 Leuten, die am Morgen an der Jagd teilgenommen haben, war laut Hess auch der Wildhüter der Region– jener, der laut der Polizei in den nächsten Tagen das Gespräch mit den Jägern suchen sollte. «Er hatte gar nichts auszusetzen am aufgehängten Fuchsfell», hält Hess abschliessend fest. «Es war eine gute und friedliche Jagd. Wir haben insgesamt fünf Füchse erlegt.»

Tierschützer sind entsetzt

Der Dachverband der Berner Tierschutzorganisationen hingegen ist entsetzt: «Ich verurteile diese Aktion aufs Schärfste. Die Jäger haben die Würde des Tieres verletzt. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, auf die Jagd hinzuweisen», so Präsidentin Alexandra Spring.

Keine Wodka-Gelage mehr über den Wolken

publiziert am 16.11.2012 auf 20min.ch

Jetzt ists genug: Die russischen Behörden wollen nicht mehr länger zusehen, wie betrunkene Flugpassagiere randalieren und pöbeln. Deshalb soll der Alkoholkonsum an Bord eingeschränkt werden.

Russland will den Alkoholkonsum an Bord von Flugzeugen deutlich einschränken. Angesichts etlicher Zwischenfälle mit stark betrunkenen Passagieren und hohen Kosten für ungeplante Landungen sollen Fluggäste keinen Alkohol mehr an Bord bringen dürfen, den sie zuvor im Duty-Free-Bereich gekauft haben.

Eine entsprechende Gesetzesbestimmung des Transportministeriums auf Initiative der Fluglinien sieht vor, dass Passagiere ihren Alkohol abgeben müssen und erst nach der Landung zurückbekommen. Die Strafen für Verstösse im Luftverkehr von derzeit maximal 1500 Rubel (rund 45 Franken) sollen zudem deutlich verschärft werden.

Allerdings können die Fluglinien weiter Alkohol ausschenken. Zwar verbieten schon jetzt viele Gesellschaften den Konsum von Duty-Free-Produkten. Dennoch trinken vor allem auf Langstreckenflügen viele Passagiere bis zur Besinnungslosigkeit. Laut Umfragen trinkt etwa ein Fünftel der russischen Fluggäste an Bord harten Alkohol.

Neuartiges Bettlaken zur Dekubitusprävention - Innovatives Textil verbessert Lebensqualität für Bettlägerige

publiziert am 15.11.2012 auf der Website des Eidgenössischen Departements des Innern

Dübendorf, St. Gallen und Thun, 15.11.2012 - Für immobile Patientinnen und Patienten sind Druckgeschwüre auf der Haut eine ständige Bedrohung. Ein von der Empa und der Firma Schöller Medical zusammen mit dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum entwickeltes Bettlaken verringert die Reibung und fördert das Wohlbefinden der Personen.

Die Haut ist der Alleskönner unter den Organen: Sie schützt den Körper vor Umwelteinflüssen, leistet einen Beitrag zur Immunabwehr und unterstützt Stoffwechselfunktionen wie die Atmung. Die Haut ist immer in Aktion. Was ihr nicht bekommt, ist Immobilität. Bewegt sich ein Patient nicht, verursachen ansteigende Feuchtigkeit sowie Druck- und Scherkräfte Durchblutungsstörungen im Gewebe. Als Folge steigt der Anteil toxischer Substanzen, und es kommt zu Geschwüren, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein können. Betroffen sind vor allem zwei Gruppen: ältere und querschnittgelähmte Menschen. Bei ihnen beträgt das Risiko, im Verlauf eines Klinikaufenthaltes an einem «Dekubitus» zu erkranken, trotz aller Fortschritte in der Pflege bis zu 50 Prozent. Und gar vier von fünf Querschnittgelähmten entwickeln mindestens einmal in ihrem Leben ein Druckgeschwür.

Die Medizinaltechnik hat das Problem erkannt: Es gibt unzählige Ansätze und Ideen, die Lebensqualität von Dekubitusgefährdeten zu erhöhen. Doch die einen funktionieren (noch) nicht gut genug, andere – wie zum Beispiel Matratzen mit wechselnden Druckverhältnissen – sind immer noch sehr teuer.

Neuartiges Bettlaken bringt Linderung

Anke Scheel, Oberärztin am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) im luzernischen Nottwil, zögerte daher nicht, als ihr die Empa die Mitarbeit an einem Projekt vorschlug, das auf die Entwicklung einer neuartigen Bettwäsche hinauslief. «Es war gerade der scheinbar simple Ansatz, der mich für die Sache einnahm», erinnert sich Scheel. Geleitet wird das Projekt von Empa-Forscher Siegfried Derler in der Abteilung «Schutz und Physiologie». Der Physiker widmet sich schon seit Jahren dem Thema Haut und Reibung und arbeitet an der Entwicklung von hautfreundlichen Materialen und Oberflächen.

Mit dem medizinischen Phänomen Druckgeschwür befasst er sich seit 2006. Damals lancierte er zusammen mit der Schöller-Gruppe – einem international führenden Anbieter von technischen Textilien – ein erstes von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) gefördertes Projekt zur textilen Dekubitusprävention. Die Resultate waren viel versprechend, weshalb die Partner drei Jahre später nachlegten und auch das SPZ ins Boot holten.

Weniger Berührungspunkte dank spezieller Textilstruktur

«Wir evaluierten marktgängige Kunstfasern», erklärt Derler, «und entwickelten einen Stoff mit einer Art Punktrasteroberfläche.» Diese spezielle Textilstruktur hat zwei Vorteile: Erstens entstehen weniger Berührungspunkte und eine geringere Kontaktfläche mit der Haut und zweitens können die mikroskopischen Leerräume zwischen den Rasterpunkten Feuchtigkeit aufnehmen.

Was folgte, war ein spannender Pingpong-Prozess zwischen den Labors der Empa und der F+E-Abteilung von Schöller im St. Gallischen Sevelen. Der Industriepartner optimierte seine Webtechniken und das Team von Siegfried Derler testete die neuen Muster an seinen ausgeklügelten Hautmodellen.

Ende 2009 war es dann soweit: Die Laborresultate erlaubten den Schritt ins Spitalbett. Als Testgruppe stellten sich 20 Querschnittgelähmte am Ende ihrer Erstrehabilitation am SPZ in Nottwil zur Verfügung, deren Haut durch die Invalidität zwar bereits verändert, aber noch nicht über Jahre geschädigt war.

Verbesserte Blutzirkulation und mehr Komfort

Während rund anderthalb Jahren kontrollierten die Fachleute der Empa und das medizinische Personal in Nottwil regelmässig die Durchblutung sowie die Rötung, Elastizität und Feuchtigkeit der betroffenen Hautpartien. Das subjektive Befinden der Testpersonen wurde per Fragebogen erhoben. Die Ergebnisse waren mehr als erfreulich: sie schwitzten weniger, ihre Hautdurchblutung verbesserte sich und sie fühlten sich deutlich wohler als auf herkömmlichen Laken.

«Wir haben gezeigt, dass unser Ansatz der textilen Dekubitusprävention funktioniert», freut sich Hans-Jürgen Hübner, Chef von Schöller Medical. Er lässt das neue Betttuch zurzeit am Firmenhauptsitz in Sevelen harten Tests unterziehen, die zeigen sollen, wie es sich nach mehrmaliger Nutzung und Reinigung verhält. Im kommenden Frühjahr will Schöller Medical die Innovation dann auf den Markt bringen. «Wir sind daran, ein internationales Vertriebssystem aufzubauen», sagt Hübner. Einen potenziellen Kunden kennt er schon: Das SPZ ist aufgrund der ersten positiven Resultate daran interessiert, die neuen Betttücher breiter im Alltag einzusetzen. «Ausserdem», so Oberärztin Anke Scheel, «wären einige unserer Patienten daran interessiert, dass Betttuch auch zuhause zu nutzen.»

Grappa-Explosion im Tessin

publiziert am 12.11.2012 auf Blick.ch

Achille C. und Domenico F.* (77) wollten am Donnerstagmorgen Grappa brennen. Doch nun ist die gesamte Destillieranlage zerstört und die beiden Schnapsbrenner wurden verletzt.

Höllische Schmerzen plagen Achille C.* (78). Der Rentner aus Biasca TI schlägt drei Kreuze. «Ich danke Gott, dass ich noch lebe. Es hätte viel schlimmer kommen können», meint er. «Zum Glück brannten nur meine Füsse.»

Kopfschüttelnd schaut er in den zertrümmerten Schuppen an der Via al Maglio. Im Dach klafft ein Loch. Die Wellblechwände sind aufgeplatzt. Die alte Destillieranlage ist zerfetzt. 

«Ein Desaster», sagt das Mitglied der Schnaps-Kooperative in Biasca. Achille C. und Domenico F.* (77) wollten am Donnerstag Grappa brennen. Das machen sie seit 20 Jahren. Die Kooperative zählt 230 Mitglieder, produziert bis zu 4000 Liter Grappa im Jahr.

Am Morgen haben die Rentner den 50 Jahre alten Kupferkessel angeheizt. «Daraus schmeckt der Grappa besonders gut», sagt Achille C. Um halb zwölf will er Dampf ablassen, dreht den Hahn auf. «Da gabs einen Knall. Ich flog fünf, sechs Meter weit, plumpste auf den Boden. Wir sahen nichts mehr. Alles war voller Dampf.»

Einen Grappa zur Beruhigung

Ein Nachbar, der die Detonation mitbekam, erzählt: «Ich sah ein Ding 150 Meter weit durch die Luft fliegen.» Das war der Kupferkessel, er landete auf dem Feld. «Gott sei Dank», sagt Nonno Achille, «ist niemand anderes zu Schaden gekommen.»

Die Rentner aber werden beide verletzt. «Meine Füsse erlitten Verbrennungen zweiten Grades, die Haut wurde abgezogen. Sie tun mir höllisch weh», sagt Achille C. Und Domenico F. erzählt: «Ich habe bei der Explosion einen Schlag in die Seite bekommen und mir wahrscheinlich eine Rippe gebrochen.» 
Schnaps brennen können sie in Biasca nicht mehr. «Das wieder aufzubauen, kostet mindestens 100 000 Franken», meint Achille C., «so viel Geld haben wir nicht. Aber auf den Schrecken genehmigen wir uns noch einen Grappa. Das lassen wir uns nicht nehmen!»

* Namen bekannt  

Asylbewerber schlachten Schafbock Kurti

publiziert am 12.11.2012 auf 20min.ch

Der Urdorfer Bauer Thomas Grob ist noch immer geschockt: Sein junger Schafbock Kurti wurde von Asylbewerbern qualvoll getötet.

Als der Urdorfer Landwirt Thomas Grob (32) am Samstagmorgen nach seinen Schafen schaute, merkte er sofort, dass etwas nicht stimmte. «Adelaide, eines unserer beiden Kleinen, plärrte und lief aufgeregt umher.» Während die vier ausgewachsenen Tiere sich in einem Graben verschanzt hatten, fehlte Adelaides Bruder Kurti. «Im Unterstand entdeckte ich dann die Blutlache», so der Bauer bestürzt.

Eine Bekannte kam schliesslich vorbei und erzählte Grob, sie habe beim Morgenspaziergang im Wald ein aufgehängtes Schaffell, Knochen und Eingeweide entdeckt. Die alarmierte Polizei bestätigte den schrecklichen Verdacht: Es handelte sich um Kurtis Überreste. Laut der Kapo war Kurti mit ungeschliffenen Messern «sehr unsachgemäss» getötet worden. «Offenbar musste das Tier noch minutenlang leiden», so Sprecher Werner Schaub.

Die Täter waren schnell gefasst. In der Asylunterkunft nahe des Hofes stellte die Polizei bei zwei tunesischen Bewerbern (25 und 34 Jahre) ca. 20 Kilogramm frisches Schaffleisch sicher. Die geständigen Männer wurden verhaftet.

Besonders tragisch für Thomas Grob: Kurti hätte der neue Zuchtbock werden sollen. Auch sonst hing die Familie sehr am Tier. «Er ist im Frühling fast zeitgleich mit unserem Töchterchen zur Welt gekommen», sagt der Bauer.

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Weiterhin intensive Kontrollen

publiziert am 12.11.2012 auf der Website des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Bern, 12.11.2012 - Der Asiatische Laubholzbockkäfer, ein besonders gefährlicher Schädling, der fast alle Laubbaumarten befallen kann, tauchte 2011 erstmals auch in der Schweiz auf. Seither wurden Käfer oder Larven in sieben Kantonen gefunden. In den meisten Fällen gelangten sie in Verpackungsholz von Steinimporten aus Asien in die Schweiz. In Winterthur wurden jedoch im Juli 2012 auch lebende Bäume in grösserem Ausmass befallen. Seit Juli 2012 werden Steinimporte in die Schweiz strenger kontrolliert. Dabei wurden rund 8 Prozent der kontrollierten Container beanstandet (Stand 2. November 2012). Der Bund erarbeitet zurzeit eine nationale Bekämpfungsstrategie.

2012 wurden in verschiedenen Kantonen Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis Motschulsky) gefunden (siehe auch Kasten). Seit dem ersten Auftauchen einzelner Käfer dieses besonders gefährlichen Schädling im Herbst 2011 in den Kantonen Freiburg und Thurgau haben fünf weitere Kantone Anoplophora-Fälle gemeldet. Und zwar Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Bern, Luzern und Zürich. Insgesamt wurden bisher in der Schweiz mindestens rund 145 lebende und 7 tote Asiatische Laubholzbockkäfer und zahlreiche Larven festgestellt.

In den meisten Fällen befanden sie sich in Verpackungsholz von Steinprodukteimporten aus Asien. Der grösste Befall trat im Juli 2012 an lebenden Bäumen in Winterthur auf. Dort mussten in einer Allee notfallmässig über 60 Bäume gefällt, das Holz gehäckselt und in der Kehrrichtverbrennungsanlage vernichtet werden. Die Bäume im Umkreis von rund zwei Kilometern werden während der nächsten vier Jahre regelmässig kontrolliert. Bei Verdachtsfällen kommen auch speziell ausgebildete Spürhunde und Baumkletterer zum Einsatz.

Dort, wo bereits Käfer oder Larven gefunden worden sind, wird im Winter ebenfalls eine Kontrolle durchgeführt. Dann können in den Baumstämmen überwinternde Larven aufgespürt werden. Im Frühling, wenn der Ausflug der Käfer beginnt, wird die Überwachung wieder intensiviert.

Meldepflicht für Steinimporte wirkt

Seit dem 9. Juli 2012 ist eine landesweite Meldepflicht für Steinimporte aus Drittländern (Nicht EU-Länder) und aus dem EU-Land Portugal in Kraft. Kontrolleure des Eidgenössischen Pflanzenschutzdienstes, der von den Bundesämtern für Umwelt (BAFU) und Landwirtschaft (BLW) geführt wird, kontrollieren das Verpackungsmaterial und geben die Importe frei, sofern sie einwandfrei sind. So soll verhindert werden, dass weitere Asiatische Laubholzbockkäfer in die Schweiz eingeschleppt werden.

Die verstärkten Kontrollen am Hafen in Birsfelden sind nach Einschätzung des BAFU wirksam. Bis am 2. November 2012 wurden insgesamt rund 259 Importlieferungen mit 617 Containern kontrolliert. 21 Lieferungen mit 48 Containern wurden beanstandet, weil der ISPM15 Standard nicht eingehalten worden war. Dieser Standard verlangt von den exportierenden Ländern eine thermische Behandlung des Verpackungsholzes, bei der allfällige Laubholzbockkäfer oder deren Larven abgetötet werden. Es wurden aber auch etliche Paletten gefunden, die zwar als behandelt gekennzeichnet waren, aber trotzdem lebende Käferlarven enthielten. Das beanstandete Verpackungsmaterial wurde vernichtet.

Zurzeit prüft der Eidgenössische Pflanzenschutzdienst, ob die Meldepflicht, die heute nur für Steinimporte aus Drittländern (Nicht EU-Länder) und aus dem EU-Land Portugal gilt, auf weitere Waren ausgedehnt werden soll, die mit Holzverpackungen aus Risikoländern importiert werden, speziell aus dem asiatischen Raum.

Informationsmassnahmen greifen

Die Kantone sind gesetzlich zuständig, die Gesundheit ihrer Wälder zu kontrollieren und dem Bund Befälle durch meldepflichtige Quarantäneorganismen zu melden. Zurzeit erarbeitet das BAFU eine nationale Bekämpfungsstrategie gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer sowie eine Richtlinie dazu. In einer nationalen Arbeitsgruppe unter der Leitung des EPSD arbeiten auch die Kantone intensiv mit. Ziel ist die Tilgung aller Befallsherde.

Um möglichst viele Verdachtsfälle zu finden, haben Bund und Kantone Informations- und Sensibilisierungsmassnahmen getroffen. Diese zeigen Wirkung: In den letzten Wochen sind deutlich mehr Meldungen und Anfragen bei den Bundesfachstellen und den kantonalen Behörden eingegangen. Dadurch haben auch die Bestimmungsarbeiten, die an der Eidg. Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf durchgeführt werden, stark zugenommen.


KASTEN
Der Asiatische Laubholzbockkäfer

Der Asiatische Laubholzbockkäfer zählt zu den meldepflichtigen Quarantäneorganismen. Er wird vor allem mit Verpackungsholz aus dem asiatischen Raum eingeschleppt. Der Käfer ist gemäss der Pflanzenschutzverordnung ein besonders gefährlicher Schadorganismus, der nicht in die Schweiz gebracht und verbreitet werden darf und der konsequent bekämpft werden muss. Er ist besonders gefährlich, weil er zwar Bergahorn und Weide bevorzugt, aber nahezu alle Laubholzarten gefährdet und vorwiegend gesunde Bäume befällt. Einmal befallene Bäume sterben in der Regel innerhalb weniger Jahre ab, ohne dass sich dieser Prozess aufhalten lässt. Es besteht die Gefahr, dass der Schädling in öffentlichen Pärken, in landwirtschaftlichen Obstkulturen und im Wald, grosse wirtschaftliche und ökologische Schäden anrichtet.

Wer einen verdächtigen Käfer sieht, sollte ihn fangen, wenn möglich lebendig in einen fest verschliessbaren Behälter (Glas mit Deckel; keine Plastiksäcke) geben, nach Möglichkeit fotografieren und dann umgehend die zuständige kantonale Pflanzenschutzstelle informieren. Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist meist glänzend schwarz mit über den Körper verteilten hellen Flecken. Er ist relativ leicht zu unterscheiden von den meisten einheimischen Bockkäferarten, von denen einige europaweit bedroht und geschützt sind.

Hauen! Klauen! Pöbeln! Spucken! Belästigen! - Der brutale Alltag in unseren SBB-Zügen

publiziert am 11.11.2012 auf Blick.ch

Gewalt und Diebstähle in Zügen und an Bahnhöfen nehmen massiv zu. Dies zeigt ein vertrauliches Papier der SBB, das SonntagsBlick vorliegt. 

Das 7-seitige Papier trägt einen harmlosen Titel: «Lageupdate Security August 2012». Darüber steht der Vermerk: «Vertraulich». Doch die folgenden Ausführungen haben es in sich.

«Seit Mitte 2011 sind in den Security-Ereignisfeldern Tätlichkeiten, Drohungen und Diebstähle gegenüber den Vorjahren negative Trends feststellbar», heisst es in dem Bericht etwas gestelzt. «Jugendliche, junge Erwachsene in Gruppen, Rauschmittelkonsum, Personen mit Migrationshintergrund und professionelle Banden aus Osteuropa sind momentan für den Anstieg von Ereignissen verantwortlich.»

Im Klartext: Pöbelndes Partyvolk und kriminelle Ausländer machen unsere Züge unsicher.

Die SBB listen drei Brennpunkte auf: Drohungen und Tätlichkeiten gegen das SBB-Personal, Tätlichkeiten gegen Mitreisende – und Diebstähle.

Personal wird bespuckt

Tätlichkeiten gegen das Zugpersonal nahmen im ersten Halbjahr 2012 gegenüber der Vorjahresperiode um 22 Prozent zu. In Zahlen: 110 SBB-Angestellte wurden angegriffen. Fast fünfmal so viele (539) wurden bedroht oder übel angepöbelt. Das entspricht einer Zunahme von 32 Prozent.

Ein Gewalt-Trend macht den Sicherheitsverantworlichen besondere Sorgen: «das gezielte Anspucken des Zugpersonals». Auslöser solcher Übergriffe seien oft «Diskussionen mit den Reisenden über fehlende Fahrausweise», welche sich «bis zur Tätlichkeit hochschaukeln».

Viele, aber längst nicht alle Angriffe landen bei der Justiz: Die SBB brachten im ersten Halbjahr 104 Fälle von Tätlichkeit, Gewalt, Drohung und Belästigung zur Anzeige.

Die weitere Entwicklung sehen die SBB pessimistisch. Man gehe davon aus, «dass die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung gegen das Personal tief bleibt», heisst es im Bericht weiter. Besonders bei «Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Personen unter dem Einfluss von Rauschmitteln und Personen aus anderen Kulturkreisen» werde der Respekt gegenüber dem SBB-Personal weiter sinken.

Besonders stark betroffen sind die Agglomerationen Genf, Lausanne und Zürich. In der Westschweiz geht die Zunahme von Gewalt gegenüber dem Zugpersonal vor allem auf das Konto von Schwarzfahrern.

In der Region Zürich wirken sich, so die Analyse der  SBB, «die 24-Stunden-Gesellschaft und ein ausgeprägtes Nachtleben» negativ aus: Die meisten Probleme gibt es auf dem ZVV-Netz.

Passagiere prügeln sich

Immer häufiger werden auch Mitreisende Opfer von Gewalt. Die Tätlichkeiten haben im ersten Semester um 125 Prozent zugenommen! 106 Attacken auf Passagiere wurden aktenkundig. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 47.

Die Zunahme von Streitigkeiten und Prügeleien erklärt die SBB-Studie mit dem «laufenden Angebotsausbau in den grossen Bahnhöfen». Immer mehr Menschen halten sich immer länger in Bahnhöfen auf, insbesondere zu Randzeiten – entsprechend nehmen laut SBB die «Aggressionspotenziale» zu.

Kunden werden beklaut

Die am häufigsten gemeldeten Vorfälle bei den SBB sind Diebstähle. 816 Personen wurden im ersten Halbjahr Opfer von Taschendieben oder Räubern, 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei sind längst nicht alle Fälle erfasst, die SBB gehen von einer «hohen Dunkelziffer» aus: Viele Reisende erstatten Anzeige bei der Polizei; diese Fälle gehen nicht in die Diebstahl-Statistik der SBB ein.

Hauptverantwortliche für die Klauerei sind offensichtlich Kriminaltouristen. «Professionelle Banden aus Osteuropa und Nordafrika bewegen sich gezielt in Zügen und Bahnhöfen», schreiben die SBB.

Viele Gruppen haben sich spezialisiert: So entwendet eine Profi-Bande aus Polen regelmässig

Gepäck aus den Wagons. Im Raum Zürich sind vor allem Diebe aus dem ehemaligen Jugoslawien und Nordafrika aktiv. In der Westschweiz stellen Roma das grösste Problem dar.

Besonders aktiv sei zurzeit eine schweizweit agierende «Gruppierung aus Bulgarien, bei welcher sich Frauen auf Trickdiebstähle bei Kunden oder auch auf Ladendiebstähle in und um Bahnhöfe spezialisiert haben», heisst es im Papier. Die Bande sei auch nach Deutschland gut vernetzt.

Mit einer Entspannung an der Diebstahl-Front rechnen die SBB nicht: Aufgrund der zentralen Lage der Schweiz und der Möglichkeit zur schnellen, unerkannten Ausreise in Nachbarländer sei es wahrscheinlich, dass Banden aus Osteuropa «weiterhin sehr aktiv bleiben». Man hoffe immerhin, dass die Zahl der von Nordafrikanern begangenen Delikte mit dem Beginn der Rückschaffungsmassnahmen des Bundes zurückgehen werde.

Immerhin konnte die Polizei im ersten Halbjahr 272 verdächtige Diebe festnehmen.

SBB: «Ja, es stimmt»

Die SBB bestätigen die Recherchen von SonntagsBlick. «Es stimmt, im letzten Semester haben Tätlichkeiten zugenommen», sagt Sprecherin Lea Meyer. Gesellschaftliche Entwicklungen machten eben «nicht vor Zugtüren halt». Das Sicherheitsniveau bei den SBB entwickle sich «parallel zu jenem der Kantone und Städte».

Pro Jahr investieren die SBB derzeit 37 Millionen Franken in die Sicherheit von Kunden und Personal. «Unser Sicherheitsniveau ist auf einem hohen Stand», betont Meyer. Regelmässige Umfragen bestätigten «das hohe Sicherheitsempfinden unserer Kunden». Auf dem gesamten Netz sei es im vergangenen Monat zu 37 Vorfällen gekommen, «also rund einem pro Tag. Das ist bei rund einer Million Kunden pro Tag sehr wenig.» Weitere Massnahmen seien dennoch geplant, man nehme das Thema ernst.

«Jeder Vorfall ist einer zu viel. Wir tun alles, um solche zu vermeiden», sagt Meyer. Geplant seien beispielsweise der  Ausbau von Präventionsarbeit und Videoüberwachung sowie die Ausweitung der Doppelbegleitung durch SBB-Angestellte in Fernverkehrszügen.

Verbände sind besorgt

Andreas Menet, Zentralpräsident des Zugpersonalverbands (ZPV), ist über die Entwicklung trotzdem besorgt. «Wir müssen rechtzeitig Gegensteuer geben, bevor es zur Eskalation kommt», sagt er. So sollen die SBB in Zukunft verstärkt mit Polizei und Politik zusammenarbeiten.

Ende November will der ZPV eine entsprechende Petition bei der SBB-Spitze einreichen (siehe Box). Auch Giorgio Tuti, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals, sieht Handlungsbedarf: «Wir haben von unseren Mitgliedern die Rückmeldung, dass Aggressionen aller Art zunehmen.» Er fordert in Zügen und an Bahnhöfen eine angemessene Polizeipräsenz – nicht nur in den grossen Zentren.

Ärger im Spielcasino: Viele halten sich nicht an Dresscode

publiziert am 05.11.2012 auf 20min.ch

Im neuen Zürcher Spielcasino versuchen Männer trotz Kleidervorschriften immer wieder, ohne Kragen Einlass zu erhalten. Doch die Security bleibt hart.

«Wir wünschen von unseren Gästen eine gepflegte und dem Ambiente eines Casinos angepasste Kleidung – Herren mit Kragen.» So lauten die Kleidervorschriften des neuen Zürcher Spielcasinos im Haus Ober. Männer müssen also entweder Hemd, Polo-Shirt, T-Shirt mit Jackett oder Rollkragenpulli tragen. Das ist der strengste Casino-Dresscode der Schweiz.

Kein Wunder, musste die Security in den ersten Tagen öfters Besucher abweisen. «Es gibt etliche, die es ohne Kragen versuchen – für solche Fälle hängen aber gratis 150 schwarze Vestons zum Ausleihen bereit», sagt Direktor Michael Favrod zu einem Bericht auf DRS 1. Eine Lockerung sei kein Thema.

In allen anderen Casinos ist man weniger streng: In Pfäffikon SZ etwa, das zum selben Unternehmen gehört wie Zürich, dürfen Männer mit T-Shirt rein. In Basel sind gar Shorts, Flip-Flops und löchrige Jeans erlaubt. «Dort verkehren viele Franzosen, deren Kleidungsstil ist legerer», erklärt Favrod, der vorher in Basel tätig war. «Zürich ist anders – wir verlangen ja keine Krawatte, doch der Kragen muss sein.»

Style-Expertin Luisa Rossi findet dies angebracht: «Ein Casino hat Glamour – damit das Gesamtbild stimmt, muss man einen Dresscode festlegen, sonst wird es schnell very casual.» Frauen sind übrigens im Vorteil: Zwar wird in Zürich auch von ihnen gepflegte Garderobe erwartet, aber Vorschriften bezüglich Kleidungsstücke gibt es keine.

Ausländer gegen grüne Eindringlinge

publiziert am 05.11.2012 auf TagesAnzeiger.ch

Immer mehr ausländische Pflanzen bedrohen die hiesige Flora. Weil die Bekämpfung durch Fachleute zu teuer ist, sollen nun Asylsuchende ran an die Giftspritzen.

Sie kommen aus dem Ausland und bedrohen den Flur-Frieden in der Schweiz. Sie heissen «Staudenknöterich» oder «drüsiges Springkraut», zusammenfassend Neophyten genannt. Darunter versteht man Pflanzen, die ursprünglich nicht in der Schweiz heimisch waren, sich nun aber in der hiesigen Flora ansiedeln, ausbreiten und Schäden anrichten. Sehr zum Missfallen von Umweltverbänden wie Pro Natura.

Erster Schritt zur Integration

Bislang hatte man versucht, der eindringenden Flut der Neupflanzen mit Zivilschützern Herr zu werden. Doch nun hat der Kanton Aargau eine neue Idee. Asylbewerber sollens richten, das berichtete die «Aargauer Zeitung» in ihrer heutigen Ausgabe (Artikel online nicht verfügbar). Für Fachleute würden die Finanzen einfach nicht reichen, beklagt Pro-Natura-Chef Johannes Jenny. Deshalb überlege man sich nun, auf anderweitige Hilfe zurückzugreifen.

Ausländer gegen «Ausländer» – ob das gut kommt? Mehr noch, die Lösung sei für beide Seiten ideal, sagt Jenny. Schliesslich biete das Programm motivierten Asylbewerbern eine sinnvolle Tätigkeit im Rahmen eines kantonalen Beschäftigungsprogrammes. Vielen Asylbewerbern, denen die Erwerbstätigkeit von Gesetzes wegen untersagt ist, seien solche freiwilligen Programme hochwillkommen. Entsprechend sei mit einem motivierten Einsatz gegen die Neophyten zu rechnen. Und so kann auch der Kanton Aargau der Idee einiges abgewinnen. Man habe immer Interesse an sinnvollen Beschäftigungsprogrammen, gab der Sprecher des Departements für Gesundheit, Balz Bruder, zu Protokoll, als man ihn zum Vorschlag befragte. Und so hat man sich unüblich schnell dazu entschlossen, das Programm anzupacken, entschieden wird nächste Woche. Bereits im Frühling 2013 dürften also Asylbewerber mit dem Kampf gegen ausländische Pflanzen beginnen. Ein idealer erster Schritt zur Integration, so heisst es.

Die Offene Kirche hat ausgekuschelt

publiziert am 03.11.2012 auf 20min.ch

Seit September wurden in der Offenen Kirche St. Galler Kuschelabende durchgeführt. Doch es blieb nur bei einem Treffen. Denn das Projekt scheiterte am internen Protest.

Die Offene Kirche St. Gallen hat ihr Kuschelprojekt gestoppt. Die Events, bei denen sich fremde Menschen gegenseitig berühren und streicheln, hatte heftige Reaktionen bei Kirchgemeinden und deren Mitgliedern ausgelöst. Nun will sich die Offene Kirche neu positionieren.

Die von Fachleuten geführten Kuschelabende sollten Menschen die Möglichkeit geben, das Bedürfnis nach körperlicher Nähe zu stillen. Die Teilnehmer sollten sich in einem sicheren Raum entspannen, indem sie sich gegenseitige streicheln und berühren.

«Kuscheln ist ein Urbedürfnis des Menschen und hat nichts mit Sex zu tun», heisst es im Programm auf der Website der Offenen Kirche St. Gallen, der katholische und evangelische Kirchgemeinden der Agglomeration St. Gallen angehören.

Der Kuschelabend von Anfang September - als erster einer Reihe solcher Abende unter dem Titel «Zeit zum Kuscheln» gedacht - blieb jedoch der einzige. Aus Protest traten Kirchgemeinden und private Mitglieder aus dem Projekt Offene Kirche aus, was finanzielle Einbussen zur Folge hat. In Medienberichten und Leserbriefen machten sich Gegner und Befürworter Luft.

Ein Tabubruch 

Das Kuscheln habe das Fass zum Überlaufen gebracht, sagte Daniel Schmid Holz, der die Evanglisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen im Vorstand der Offenen Kirche vertritt, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

«Viele Menschen empfinden Kuschelpartys als Tabubruch, da im Umgang mit Zärtlichkeit und Berührungen die Grenze zwischen Intimität und Öffentlichkeit verletzt wird», sagte Schmid.

Der Vorstand der Offenen Kirche sei zwar von Anfang an vom Kuschelprojekt nicht begeistert gewesen, wollte dem Projektleiter jedoch nicht dreinreden. Nach den Protesten wurde das Kuscheln gestoppt.

«Die heftigen Reaktionen zeigen, dass sich die Offene Kirche mit den Kuschelpartys keinen guten Namen macht», sagte Schmid. Deshalb sei es nun Zeit, das Programm und die Zusammenarbeit mit dem Projektleiter und Initianten der Kuschelabende zu überdenken.

Auf der Jagd nach den Elektronenlöchern: Molekularer Blick auf die solare Wasserspaltung

publiziert am 30.10.2012 auf der News-Website der Schweizer Bundesverwaltung

Dübendorf, St. Gallen und Thun, 30.10.2012 - Wasserstoff aus Sonnenlicht ist seit langem der Heilige Gral der nachhaltigen Energieversorgung. Eisenoxid ist ein viel versprechendes Elektrodenmaterial für die photoelektrochemische Wasserspaltung – nicht zuletzt, weil es billig, stabil, umweltfreundlich und in grossen Mengen verfügbar ist. Einem internationalen Forscherteam unter Leitung der Empa ist es nun gelungen, die molekularen Strukturänderungen einer Eisenoxidelektrode während der Wasserspaltung zu beobachten. Damit eröffnet sich die Möglichkeit zur günstigen Wasserstoffproduktion aus Sonnenenergie.

Hämatit, die mineralische Form von Eisenoxid (oder, banal gesagt, Rost), ist ein viel versprechendes Anodenmaterial für photoelektrochemische Zellen (PEC), weil sich mit ihm Sonnenlicht in einem breiten Spektralbereich einfangen lässt. Obwohl Hämatit theoretisch bis zu 15 Prozent der Sonnenenergie in Wasserstoff umwandeln könnte, ist die tatsächliche Effizienz deutlich geringer als die anderer Metalloxide. Das liegt an der molekularen Struktur des Hämatits, bei der Elektronenlöcher im angeregten Zustand nur für extrem kurze Zeit existieren.

Hilfreiche Löcher im Hämatit

Elektronen sind (negative) Ladungsträger, sie spielen diese Rolle allerdings nicht alleine. Wenn ein Elektron seinen Platz in der Kristallstruktur eines Halbleiters verlässt, hinterlässt es ein Loch, das sich quasi wie ein positiver Ladungsträger verhalten kann – vorausgesetzt, Elektron und Loch bleiben voneinander getrennt und verbinden sich nicht erneut. In der modernen Halbleiterelektronik sind Löcher wichtige Ladungsträger, ebenso wie in Batterien, Kondensatoren, Brennstoffzellen, Solarzellen und PEC. Sonnenlicht erzeugt in PEC-Elektroden permanent Paare aus Elektronen und Löchern, die an die Oberfläche diffundieren, dort Wasser spalten und Wasserstoff und Sauerstoff erzeugen. Aufgrund der molekularen Struktur von Hämatit geht jedoch ein grosser Teil der Paare verloren, bevor er an der Oberfläche Wasser spalten kann.

Daher ist es wichtig, genauere Kenntnisse über den Zustand der Elektronenlöcher an der Oberfläche des Hämatits zu gewinnen. Bereits früher wurde vermutet, dass Hämatit zwei verschiedene Arten von Löchern mit unterschiedlichem Potenzial für Wasserspaltung bildet. Die Existenz der verschiedenen Typen von Löchern mit unterschiedlicher Reaktivität für Wasseroxidation hat weit reichende Auswirkungen auf die photoelektrische Leistungsfähigkeit von Hämatit. Allerdings ist es schwierig, diese Löcher zu detektieren, unter anderem, weil sie extrem kurzlebig sind.

Nicht alle Löcher sind gleich

In ihrer jüngst im «Journal of Physical Chemistry C» veröffentlichten Studie untersuchten die Empa-Wissenschaftler Artur Braun und Debajeet Bora sowie ihre Kollegen von der EPF Lausanne, der Universität Basel, aus China und den Vereinigten Staaten die photoelektrisch generierten Löcher in einer speziell konstruierten photoelektrochemischen Zelle während des Betriebs. Die Forscher zeichneten Absorptionsspektren von weichem Röntgenlicht auf, während die Zelle unter simuliertem Sonnenlicht oder im Dunkeln in Betrieb war und identifizierten zwei neue Spektralsignaturen, die von zwei unterschiedlichen Lochübergängen stammen. Laut Braun ist dies das erste Mal, dass die Elektronenstruktur einer PEC-Photoanode während einer Wasserspaltung analysiert wurde. «Die Vorbereitung für dieses äusserst komplizierte Experiment hat drei Jahre in Anspruch genommen», sagt Braun. «Schliesslich funktioniert Röntgenspektroskopie nur im Ultrahochvakuum – Photoelektrochemie hingegen funktioniert nur in Flüssigkeiten. Eine Kombination von beidem war allein aus technischer Sicht eine grosse Leistung. Dennoch würde ich sagen, dass wir grosses Glück hatten, die beiden Elektronenlöcher in einer funktionierenden PEC zu entdecken.»

Das bahnbrechende Experiment des Teams bewies die Bildung zweier verschiedener Typen von Elektronenlöchern an der Berührungsfläche von Halbleiter und Flüssigkeit – unter genau den Bedingungen, unter denen der Photostrom entsteht. Die quantitative Analyse der Spektralsignatur zeigte, dass beide Typen, im Unterschied zu früheren Spekulationen, zu dem entstehenden Photostrom beitragen. «Das ist ein Meilenstein beim Verständnis der solaren Wasserspaltung und eine ermutigende Neuigkeit für Wissenschaftler weltweit, die daran arbeiten, Hämatit für PEC-Photoanoden zu optimieren», sagt Braun.

Literaturhinweis
A Braun, K Sivula, DK Bora, J Zhu, L Zhang, M Grätzel, J Guo, EC Constable; Direct Observation of Two Electron Holes in a Hematite Photo-Anode during Photoelectrochemical Water Splitting; J Phys Chem C 116, 16870 (2012)

Hunde statt Kinder

publiziert am 29.10.2012 auf TagesAnzeiger.ch

Hierzulande gibt es mindestens so viele Hunde wie Kinder unter sieben Jahren. Die Zahl der Kinder sinkt, jene der Hunde steigt. Wird der Vierbeiner immer öfter zum Kinderersatz?

Am häufigsten heissen sie Rocky und Luna und sie werden immer mehr: Hunde in der Schweiz. Seit die Registrierungspflicht eingeführt wurde, ist die Zahl der Hunde stetig gestiegen: von gut 500'000 auf über 525'000 im vergangenen Jahr. Zwar sind die Zahlen mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen. Teilweise dürfte es sich immer noch um Nachregistrierungen von älteren Tieren handeln. Zudem wurden vor allem zu Beginn nicht alle Hunde in der Tierdatenbank Anis gestrichen, wenn sie gestorben sind. Der Rückgang von 2011 gegenüber dem Vorjahr dürfte denn auch nicht auf einen effektiven Rückgang zurückzuführen sein, sondern auf eine bessere Erfassung von verstorbenen Tieren. Aber unter dem Strich resultiert trotz dieser Einschränkungen ein Trend zu mehr Hunden.

Im Tessin gibt es gar mehr Hunde als Kleinkinder, wie die Sonntagszeitung «Il Caffè» kürzlich vermeldete. Laut dem kantonalen statistischen Amt ist die Zahl der 0- bis 6-Jährigen im Südkanton zwischen 2005 und 2010 von 21'270 auf 20'984 gesunken; diejenige der Hunde hat im gleichen Zeitraum von 19'500 auf 25'000 zugenommen. Gesamtschweizerisch haben die kleinen Zweibeiner statistisch noch den Vorrang vor den Vierbeinern: Den 526'000 registrierten Hunden standen 2011 rund 553'000 Kinder unter sieben Jahren gegenüber. Zieht man allerdings Expertenschätzungen in Betracht, wonach zehn Prozent der Hunde nicht registriert sind, dürften Rocky, Luna und Co. die Kleinkinder auch national überflügelt haben.

Lateiner lieben Hunde

Mit 77 registrierten Hunden pro 1000 Einwohner nimmt das Tessin einen Spitzenrang ein. Nur gerade fünf Kantone weisen eine höhere Dichte aus, darunter mit Jura (116), Waadt (86) und Freiburg (78) drei Welsche. Überhaupt befinden sich mit Ausnahme von Appenzell Ausserrhoden und Solothurn nur lateinische Kantone an der Spitze dieser Rangliste. Mit 68 Hunden auf 1000 Einwohner liegt Bern im Mittelfeld, mit einem Wert von 42 belegt Zürich den vierthintersten Platz. Ein Blick auf die Nachbarländer bestätigt, dass die Lateiner eine besondere Vorliebe für Hunde zu haben scheinen: In Frankreich und Italien liegt der Anteil der Haushalte mit mindestens einem Hund deutlich höher als in Deutschland und Österreich.

Die Zunahme von Hunden ist umso bemerkenswerter, als die Hürden für den Erwerb und die Haltung deutlich höher geworden sind. Einerseits haben Hunde ein Imageproblem, seit vermehrt über Kampfhundeattacken und ähnliche Vorfälle berichtet wird. Anderseits haben die meisten Kantone Hundehalterkurse und Bewilligungspflichten für gewisse Rassen eingeführt. «Die Schwelle für den Erwerb eines Haustiers ist gering, ausser bei den Hunden», bilanziert Eva Waiblinger vom Schweizer Tierschutz. Schwieriger geworden sei es insbesondere, grosse Hunde zu halten.

Vom Wach- zum Schosshund

Ein Blick auf die Registrierungsdatenbank Anis zeigt: Es gibt einen «eindeutigen Trend zu kleinen Hunden», wie es im Jahresbericht 2011 heisst. Im Durchschnitt aller Kantone hätten die kleinen Hunde bei den Registrierungen gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent zugenommen. Bereits in neun Kantonen machten diese über die Hälfte der neu gemeldeten Tiere aus (BS, GE, JU, NE, SH, TI, VD, VS, ZH). Aus der Praxis der Tierheime weiss Eva Waiblinger: «Kleine, weisse Hunde gehen am schnellsten weg.» Sie führt dies auch darauf zurück, dass «kleine, helle Hunde den Menschen weniger Angst einflössen als grosse schwarze».

Der Trend zu kleinen Hunden hänge auch mit dem Funktionswandel des Hundes zum Schosstier zusammen, sagt Waiblinger eine Entwicklung, die seit 40 Jahren im Gang sei. Und die sich nun auch «in eher ländlichen Gebieten» durchsetzt, wie Anis im Jahresbericht schreibt. Die höchste Zuwachsrate an kleinen Hunden verzeichneten Glarus, Obwalden und Schwyz. Das heisst im Klartext: Auch auf dem Land löst der Schosshund den Wachhund ab. Die Nachfrage nach Wachhunden sei «deutlich zurückgegangen», sagte Fabio Giussani, Präsident eines kynologischen Vereins im Südtessin in «Il Caffè».

Eine Art Ersatzfunktion

«Kleine Hunde sind handlich und lassen sich in der Wohnung halten», sagt Waiblinger. Nehmen sie dort zunehmend den Platz der Kinder ein, fragt sich mit Blick auf die eingangs erwähnten Zahlen. Der Hund als Kinderersatz sei eher die Ausnahme, meint die Expertin des Tierschutzes. Gleicher Ansicht ist Dennis C. Turner, der berühmte amerikanische Biologe und Tierverhaltensforscher, der seit langem in der Schweiz lebt. Es sei «nicht zutreffend, dass Heimtiere Kinderersatz sind, wie es oft heisst», sagte er früher in der Zeitschrift «Folio». Statistiken zeigten, dass der «weitaus grösste Teil der Heimtiere in Familien mit Kindern lebt».

Auf Nachfrage präzisiert er heute: «Es gab immer Leute, für die ein Heimtier ein Kinderersatz war, doch lebten und leben immer noch die Mehrheit der Hunde und Katzen in Familien mit Kindern und sind deshalb gesamthaft gesehen kein Kinderersatz.»

Allerdings haben die Familien hierzulande immer weniger Kinder, wie die Statistiker seit längerer Zeit belegen. Wenn sie gleichzeitig immer mehr Hunde – und andere Haustiere – haben, dürfte diesen halt trotzdem eine Ersatzfunktion zukommen. Indem sie nicht das Kind an sich ersetzen, sondern vielleicht dessen Brüderchen oder Schwesterchen.

«Schrei vor Glück? Eher Schrei vor Dummheit!»

publiziert am 17.10.2012 auf 20min.ch

In Reiden LU nimmt es der Pöstler ganz genau. Das stellte ein Leser-Reporter bei einer Kleider-Bestellung fest. Er brachte das Paket nur mit Werkzeug aus dem Milchkasten.

«Schrei vor Glück» heisst der Slogan des Versandhandels «Zalando». Zum Schreien war auch Leser-Reporter Pascal C.(34) bei einer Zalando-Bestellung zumute. «Doch nicht vor Glück, sondern vor Dummheit», sagt C. Denn der Reidener staunte nicht schlecht, als er vor ein paar Tagen zu seinem Briefkasten lief und den Milchkasten öffnete. «Da war mein bestelltes Paket mit meinem Polohemd und meinem Pullover drin - millimetergenau vom Pöstler in den Milchkasten reingepresst.»

C. begutachtete das Werk und fragte sich: «Wie kriege ich das Ding da bloss wieder raus?» Ein Finger zum Herausnehmen des Päcklis passte auf der Seite nämlich nicht mehr rein. «Ich habe zuerst zehn Minuten lang geflucht», erzählt C. Dann musste Werkzeug her. Mit einem Schraubenzieher gelang es C. schliesslich, das Paket Zentimeter für Zentimeter aus dem Kasten zu holen.

Reklamation an Post

Ob der Pöstler ihn einfach nur ärgern wollte oder ob er es schlussendlich nur gut gemeint hat, darüber ist sich C. nicht so sicher. «Schlau war das aber sicher nicht.» Deshalb habe er auch das Reklamations-Formular auf der Post-Webseite ausgefüllt.

Bestellen werde er bei Zalando trotzdem wieder. «Wenn der Pöstler das Paket nochmals in den Milchkasten tut, schiebe ich das Leere wieder zurück dorthin. Dann müsse der Pöstler das nächste mal - wie in der Werbung - klingeln kommen.» Und C. könnte dann tatsächlich statt aus Ärger vor Glück schreien.

Ist Ihnen schon einmal etwas Ähnliches passiert? Diskutieren Sie im Talkback über Ihre Erfahrungen mit Briefträgern.

Der evolutionäre Ursprung unserer Zähne

publiziert am 17.10.2012 auf der News-Website der Schweizer Bundesverwaltung

Villigen, 17.10.2012 - Bislang war umstritten, ob die frühesten Wirbeltiere, die Kiefer hatten, schon Zähne besassen oder nicht. Nun hat ein international zusammengesetztes Forschungsteam gezeigt, dass der urzeitliche Fisch Compagopiscis bereits Zähne hatte. Das deutet darauf hin, dass Zähne in der Evolution gemeinsam mit den Kiefern entstanden sind – oder zumindest kurz danach. Federführend bei dem Projekt waren Forscher der Universität Bristol (England), die entscheidenden Untersuchungen, die Einblicke in die Fossilien ermöglicht haben, sind an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz des Paul Scherrer Instituts in Villigen (Schweiz) durchgeführt worden. Die Forscher präsentieren ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Nature.

Ein schönes Lächeln braucht Kiefer und Zähne. Aber erst jetzt ist die evolutionäre Herkunft dieser Teile unserer Anatomie entdeckt worden. Möglich gemacht haben diese Entdeckung ein Teilchenbeschleuniger und ein längst ausgestorbener Fisch.

Alle heute lebenden Wirbeltiere – also solche mit einer Wirbelsäule –, die Kiefer haben, besitzen auch Zähne. Man hat aber lange Zeit angenommen, dass es frühe Wirbeltiere gab, die zwar schon Kiefer hatten, aber eben noch keine Zähne. Man stellte sich vor, dass sie ihre Beute mit kräftigen scherenartigen Kiefern fingen.

Neueste Forschungen unter der Federführung der Universität Bristol, die heute im Fachjournal Nature veröffentlicht worden sind, zeigen, dass schon die frühesten kiefertragenden Wirbeltiere Zähne hatten. Das deutet darauf hin, dass Zähne in der Evolution gemeinsam mit den Kiefern entstanden sind – oder zumindest kurz danach.

Dazu haben Paläontologen der Universität Bristol, des Natural History Museum (London) und der Curtin University (Perth, Australien) gemeinsam mit Physikern des Paul Scherrer Instituts PSI die Kiefer des urzeitlichen Fisches Compagopiscis untersucht.

Das Team hat Versteinerungen von Compagopiscis mithilfe von hochenergetischem Röntgenlicht aus der Synchrotron Lichtquelle Schweiz des PSI untersucht und dabei Aufbau und Entwicklung von Zähnen und Kiefern sichtbar gemacht.

Der Erstautor des Nature-Artikels Martin Rücklin von der Universität Bristol sagt: „Wir konnten alle Strukturen innerhalb der knöchernen Kiefer sichtbar machen: Gewebe, Zellen, Wachstumslinien, was uns ermöglichte, die Entwicklung von Kiefern und Zähnen zu studieren. Wir haben dann Vergleiche mit der Embryonalentwicklung heutiger Wirbeltiere angestellt. So konnten wir zeigen, dass Panzerfische, zu denen der untersuchte Fisch gehört, Zähne hatten.“

Mitautor Philipp Donoghue von der Fakultät für Erdwissenschaften der Universität Bristol sagt: „Das sind eindeutige Beweise, dass diese frühen kiefertragenden Wirbeltiere Zähne besassen. Diese Ergebnisse entscheiden die Debatte über den Ursprung von Zähnen.“

Mitautorin Zerina Johanson vom Natural History Museum sagt: „Diese wunderbar erhaltenen Fossilien aus Australien bergen viele Geheimnisse über unsere evolutionäre Herkunft, aber ihre Erforschung musste auf ein zerstörungsfreies Verfahren warten, wie wir es hier verwendet haben. Ohne die Zusammenarbeit zwischen Paläontologen und Physikern würde unsere Evolutionsgeschichte immer noch in Stein verborgen sein.“

Marco Stampanoni, Leiter der Synchrotrontomografiegruppe am Paul Scherrer Institut und Professor am Institut für Biomedizinische Technik der ETH Zürich sagt: „Wir haben zerstörungsfrei dreidimensionale Mikroskopbilder der untersuchten Objekte erzeugt. Dabei haben wir Synchrotronlicht aus der Synchrotron Lichtquelle Schweiz, einer sehr starken Röntgenlichtquelle genutzt. Dieses Verfahren erlaubt uns, ein perfektes digitales Modell des Fossils und detaillierte Einblicke in sein Inneres zu gewinnen – ohne das Fossil zu zerstören. Normalerweise liefert unsere Methode hochaufgelöste Bilder sehr kleiner Proben. Für dieses Experiment haben wir den Experimentieraufbau und die Rekonstruktionsalgorithmen modifiziert, um das Sichtfeld zu vergrössern, ohne aber die Auflösung zu verschlechtern.“

Die Arbeit wurde finanziert vom Siebten EU-Forschungsrahmenprogramm (EU Framework Programme 7), dem britischen Rat für Umweltforschung (Natural Environment Research Council) und vom Paul Scherrer Institut.

Text auf Grundlage einer Meldung der Pressestelle der Universität Bristol

Dreiste Diebe verärgern Genfer Obstbauern

publiziert am 17.10.2012 auf der Website des Schweizer Fernsehens

Schon manch ein Genfer Landwirt machte grosse Augen: Dann nämlich, wenn sich über Nacht wieder einmal Langfinger über Kirschbäume, Erdbeerfelder oder Himbeersträucher hergemacht hatten. Inzwischen sind die Diebe häufig gut organisiert und klauen im grossen Stil – mit entsprechenden Einbussen für die Bauern. 

Auf bis zu 40'000 Franken Verlust im Jahr kommen Landwirte wie Gilles Miserez von der Landwirtschaftsschule Lullier. In «Schweiz aktuell» berichtete er zusammen mit anderen Angestellten, wie dreiste Diebe dort inzwischen ganze Bäume leerpflücken und es so auf bis zu 600 Kilo Kirschen bringen – an einem Wochenende.

Vor allem in Grenznähe klagen Bauern inzwischen über immer mehr Diebstähle. Oft belassen es die Langfinger auch nicht mehr nur beim Erntegut, sondern lassen auch Traktoren, Werkzeuge oder Autobahnvignetten mitgehen – kurz gesagt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Mehrere Landwirte helfen sich inzwischen selbst – mit Feldwächtern, die fast rund um die Uhr auf Patrouille sind.

Hass macht kreativ: Was man mit einem Blechpolizisten anstellen könnte

publiziert am 16.10.2012 auf Blick.ch

BISCHOFSZELL - TG - Wer kennt sie nicht, wer wünscht sie nicht zum Teufel: diese Blechmonster, die (zu) schnelle Autofahrer abschiessen. Ein Blechpolizist-Hasser hatte jetzt eine kreative Idee.

«GRATIS ZUM MITNEHMEN» - die Botschaft auf einer Strasse in Bischofszell dürfte ankommen: Wer immer dazu bereit sein mag, der dürfe dieses ungeliebte Ding einfach mitnehmen. Vollkommen gratis!

Bei der Kantonspolizei Thurgau weiss man noch nichts von diesem kreativen Akt. Grund zum Handeln? «Jetzt ist es ja dunkel», sagt ein Kapo-Sprecher um 19:37 Uhr zu Blick.ch. Das sehe jetzt sowieso niemand mehr.

Ob er davor warnen wolle, das Ding mitzunehmen, denn das sei doch gewiss illegal? Der Kapo-Sprecher: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so blöd sein könnte, die Aufforderung ernstzunehmen.»

Munder Safran genetisch durchleuchtet

publiziert am 16.10.2012 auf der Website des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements

Conthey, 16.10.2012 - In der Gemeinde von Mund im Oberwallis wird der Munder Safran seit dem Mittelalter nach alter Tradition angebaut. Beim Vergleich der DNA-Analyse mit rund zehn anderen Safran-Populationen aus acht Ländern zeigt die Munder Population keinerlei genetische Unterschiede. Bei einer Population aus Marokko wurde jedoch ein seltener Fall einer genetischen Variabilität nachgewiesen.

Der Safran (Crocus sativus L.) ist das teuerste Gewürz der Welt. Vermutlich gelangte es im 14. Jahrhundert von Spanien in die Schweiz. Heute werden nur noch rund 2 ha angebaut, die Mehrheit davon in Mund im Oberwallis, wo eine winzige Parzelle seit dem Mittelalter kontinuierlich angebaut worden sein soll.

Der Safran ist steril und seine Vermehrung erfolgt nicht generativ über Samen, sondern einzig vegetativ über Knollenbildung. Somit sind sämtliche weltweit angebauten Safranpflanzen Klone ein und desselben, ursprünglichen Individuums. Dennoch kann eine gewisse morphologische (z.B. Form und Länge der Blätter) und phänologische (Blühperiode) Variabilität festgestellt werden. Zudem wurden mehrere Klone von wirtschaftlicher Bedeutung gezüchtet. Genetisch gesehen wurde diese Variabilität praktisch nie nachgewiesen, da alle Individuen das gleiche Profil aufweisen. Anhand von 40 RAPD Molekularmarkern (Random Amplification of Polymorphic DNA) haben Agroscope-Forschende die mittelalterliche Pflanzung von Mund mit 13 anderen, kürzlich ins Wallis eingeführten Populationen aus folgenden Ländern resp. Gebieten verglichen: Frankreich (2), Niederlande (2), Italien (1), Kaschmir (2), Marokko (2), Portugal (1), Spanien (1) und Türkei (2). Praktisch alle Herkunftsgebiete wiesen das gleiche RAPD-Profil auf, was die genetische Homogenität des Safrans bestätigt. Einzige Ausnahme bildete eine Pflanze aus Marokko, welche sich bei 28 der 40 Marker stets von den anderen unterschied.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich die historische Population von Mund bei der RAPD-Analyse von allen anderen Populationen nicht unterscheidet. Ausserdem konnte die Existenz einer seltenen genetischen Variation für eine Population aus Marokko nachgewiesen werden. 

Immer im Kreis herum

publiziert am 15.10.2012 auf Blick.ch

Seit 110 Jahren zeigt der Tacho das Tempo an. Aber wie – und warum?

Das Problem ist nicht technisch, sondern menschlich. «Unser Gleichgewichtsorgan kann Beschleunigung fühlen, nicht aber Konstanttempo», erläutert Eelco Spoelder, Leiter Instrumente beim Autozulieferer Continental. Deshalb brauchte es, nachdem das Auto 1886 fahren gelernt hatte, den Geschwindigkeitsmesser – also den Tacho.

Der Ingenieur Otto Schulze meldet im Oktober 1902 im kaiserlichen Patentamt Berlin den Wirbelstromtacho an: Eine Welle überträgt die Raddrehzahl an einen Magneten. Der rotiert und erzeugt Wirbelströme in einer Metallscheibe. Die bewegt sich – und die Nadel. Heute gehts elektronisch: Ein Sensor misst Rad- oder Getriebedrehzahl, ein Schrittmotor bewegt die Nadel. Falls es eine gibt: Manch neues Auto hat Skala und eine Nadel, aber beides ist in Wahrheit nur mehr ein Bild auf dem Monitor.

Ob analog oder digital: Bis heute sind Tachos meist rund. «Das ist intuitiv abzulesen», erklärt Spoelder, sprich: aus dem Augenwinkel. Weder Walzen- noch Bandtacho mit drehender, Quer- oder Hochkant-Skala noch das volldigitale «Mäusekino» (erstmals 1986 im VW Golf GTI) mit Digitalziffern änderten das. Digitalanzeigen bleiben selten und kommen nur oft zusätzlich, zum Beispiel im Headupdisplay, zum Einsatz.

Das gespaltene Dorf

publiziert am 15.10.2012 auf TagesAnzeiger.ch

Im Tessiner Ort Bissone geht es drunter und drüber. Gemeindepräsident Ludwig Grosa sitzt in U-Haft und hat abgedankt. Die Geschäftsführung der Gemeinde wird von der Staatsanwaltschaft geprüft. 

Das Namensschild an der Tür zum Büro hängt noch: Sindaco Ludwig Grosa. Doch seit über einer Woche kann der 45-Jährige das Gemeindehaus von Bissone nicht mehr betreten. Denn Grosa sitzt im Untersuchungsgefängnis Farera bei Lugano. Mindestens fünf Wochen muss er dort in Einzelhaft schmoren.

Die von der Staatsanwaltschaft publizierte Liste der Vorwürfe ist lang und eindrücklich: Erpressung, Verleumdung, falsche Anschuldigungen, Zwang, Amtsmissbrauch, passive Bestechung und ungetreue Amtsführung. Die Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit der Überbauung einer Liegenschaft. Grosa soll für die wohlwollende Behandlung der Baugesuche durch die Gemeinde mehrere Hunderttausend Franken gefordert haben. Er selbst bestreitet dies. Von seinem Amt als Sindaco ist er jedoch zurückgetreten.

Es ist das abrupte Ende einer politischen Karriere, die vor knapp zehn Jahren begann und einigen Staub im Südkanton aufwirbelte. Grosa, ein smarter und stets perfekt gekleideter Dandy-Typ, war 2003 in seinen Heimatkanton zurückgekehrt, nachdem er über Jahre im Auftrag der Uhrenindustrie um die Welt getingelt war. Womit der Absolvent einer Handelsschule im Tessin seinen Lebensunterhalt verdiente, war jedoch nicht mal den Bewohnern von Bissone klar, wo er Wohnsitz genommen hatte.

«Bulgarische Verhältnisse»

Bekannt wurde Grosa durch seinen militanten Kampf gegen die Lärmschutzwände entlang der A2. Die parallel zur Bahnlinie verlaufende Autobahn trennt seit ihrem Bau 1966 den am Luganersee gelegenen alten Dorfkern von der neuen Villensiedlung am Hang und schneidet den Ort in zwei Teile. Statt der inzwischen fertiggestellten, gigantischen Lärmschutzverbauungen wollte Grosa eine Überdachung der Verkehrsschneise erreichen, um die Nahtstelle zu schliessen. Auf dem Dach sollten Rasenflächen und Einfamilienhäuser entstehen.

Nur: Der Entscheid war längst gefallen. Ausschreibungen und Auftragsvergaben für die Lärmschutzwände konnten nicht annulliert werden. Daher fand Grosa bei den etablierten Parteien kein Gehör. Doch bei der Bevölkerung der 800-Seelen-Gemeinde stiess sein unkonventioneller Einsatz auf viel Sympathie, zumal der nette Mann auch gerne alten Damen eigenhändig beim Überqueren der Strasse half. Um seiner Forderung nach einem Trottoir entlang der Kantonsstrasse Nachdruck zu verleihen, blockierte er schon mal das Auto von Staatsrätin Laura Sadis. Und im Zusammenhang mit einem Streit mit dem Bundesamt für Strassen machte er auf sich aufmerksam, als er sich an ein Gitter fesselte.

2004 hatte Grosa die Partei Nuova Bissone gegründet und wurde auf Anhieb in die Exekutive gewählt. 2008 folgte die Wahl zum Gemeindepräsidenten und im April dieses Jahrs eine blendende Bestätigung. Seine Partei erreichte die absolute Mehrheit im kleinen und grossen Gemeinderat. Seither sprach man von «bulgarischen Verhältnissen». Der Siegeszug von Nuova Bissone ging in erster Linie zulasten der FDP, die über Jahrzehnte das Sagen hatte.

Unkonventionell oder illegal?

Doch in den letzten Monaten verdichteten sich die Anzeichen, dass der Stil von Nuova Bissone in jeder Hinsicht unkonventionell ist, womöglich sogar illegal. Rechnungen der Gemeinde sollen schwarz und ohne Abrechnung der AHV bezahlt worden sein; Überweisungen gingen an dubiose Firmen. Die Renovation des öffentlichen Schwimmbads ist ein Kapitel für sich: Die Buchführung ist offenbar haarsträubend, die bezahlten Preise überrissen. Das Dossier wird nun vom Gemeindeinspektorat auf administrative Mängel und von der Staatsanwaltschaft auf allfällige Straftaten untersucht. In dieser Affäre hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile auch eine Ermittlung gegen den Gemeindeschreiber Bissones bestätigt. Er steht unter dem Verdacht der ungetreuen Amtsführung und des Amtsmissbrauchs.

Angesichts dieser Entwicklungen wundert es nicht, dass letzte Woche in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Verhaftung Grosas die Wogen hochgingen. Im schmucken Geburtsort des Barockbaumeisters Francesco Borromini (1599–1667), dessen Konterfei die alte Hundert-Franken-Note zierte, ist die Stimmung mehr als gereizt. «Nur ein Rücktritt der Vertreter von Nuova Bissone im Municipio kann diese Situation noch retten», sagte ein SP-Vertreter unter dem Beifall des Publikums. Doch der Beifall spiegelt nur eine Seite. Die Bevölkerung von Bissone ist tief gespalten. «Das Ganze ist eine Inszenierung, um den Sindaco auszuschalten», sagt eine Zeitungsverkäuferin. Damit liegt sie ganz auf der Linie von Lega-Boss Giuliano Bignasca, der behauptet, die Staatsanwaltschaft agiere in dieser Sache politisch. Grosa hatte aus seiner Nähe zur Lega nie einen Hehl gemacht und – erfolglos – für den Grossen Rat kandidiert.

Glühende Anhänger

Wenig beeindrucken von den Rücktrittsforderungen lässt sich Vize-Bürgermeisterin Daniela Marazzi Fontana, eine glühende Anhängerin des inhaftierten Grosa. «Nicht im Traum denke ich an einen Rücktritt», sagte sie. Sie haben einen Auftrag von ihren Wählerinnen und Wählern. Einigen ihrer Parteikollegen in der Legislative ist offenbar mulmiger zumute. Sie lehnten die Rechnung 2011 ab.

Die Gegner von Nuova Bissone werden kaum umhinkommen, Unterschriften zu sammeln, um Neuwahlen durchzuführen. Dies ist frühestens ein Jahr nach den ordentlichen Wahlen nötig, das heisst ab dem 1. April 2013. Es sei denn, der Tessiner Staatsrat kommt der Forderung der SP nach, die Gemeinde kommissarisch verwalten zu lassen. Doch dies wäre ein heikles Unterfangen, wie Gemeindeinspektor Elio Genazzi sagt: «Das jetzige Municipio wurde demokratisch gewählt.» Eine kommissarische Verwaltung käme wohl erst in Betracht, wenn die Staatsanwaltschaft strafrechtlich relevante Vergehen festgestellt habe. Dem gespaltenen Dorf am Luganersee stehen weiterhin unruhige Zeiten bevor.

Vampir-Dino war Vegetarier

publiziert am 04.10.2012 auf 20min.ch
 
Er hatte Eckzähne wie ein Vampir und sah aus wie ein Stachelschwein auf zwei Beinen: Forscher haben das 200 Millionen Jahre alte Fossil eines Zwergdinosauriers aus Südafrika untersucht.
 
Es handelt sich um einen der kleinsten Saurier, die jemals entdeckt wurden: Der Pflanzenfresser mit dem wissenschaftlichen Namen Pegomastax africanus (zu deutsch etwa «afrikanischer Dickkiefer») war etwa 60 Zentimeter gross und wog weniger als eine Hauskatze. Das berichtet der Wissenschaftler Paul Sereno von der Universität Chicago im Journal «Zookeys» und auf der Webseite der National Geographic Society.
 
Das Fossil des Dinosauriers war bereits in den 1960ern in Südafrika gefunden worden. Sereno entdeckte es in einer Sammlung an der Harvard-Universität und untersuchte die Anatomie und Lebensgewohnheiten des Tieres.
 
Der Paläontologe berichtet, der Zwergsaurier habe einen kleinen Papageien-ähnlichen Schnabel gehabt und zwei scharfkantige grosse Eckzähne.
 
Das sei sehr selten, dennoch geht der Forscher davon aus, dass der Zwergsaurier Pflanzenfresser war. Die abgenutzten Seiten seiner Zähne und der beschädigte Zahnschmelz liessen darauf schliessen, dass er sie eher zum Greifen und Graben verwendet habe, als um Fleisch zu zerbeissen. Der Körper des Dinosauriers sei mit Borsten bedeckt gewesen, ähnlich wie bei einem Stachelschwein.

Wie ich Freunde loswerde

publiziert am 04.10.2012 auf TagesAnzeiger.ch
 
Sie haben zu viele Freunde auf Facebook? Kein Problem. Wir haben zehn Tipps, wie Sie mit wenig Aufwand ihren Freundeskreis verkleinern.
 
Man kann sich über so vieles auf Facebook ( 21.83 -1.98%) nerven, insbesondere aber über die fehlende Medienkompetenz vieler Anwender. In den nachfolgenden zehn Tipps erklären wir, was man auf Facebook tun sollte, will man schnell Freunde und Fans vergraulen.
 
Jeder Ihrer Links interessiert jeden

Zugegeben, Facebook bietet eine gute Möglichkeiten, Informationen aller Art zu teilen. Der Mix machts aus. Eine Mischung aus Kochen, juristischen Beiträgen, Blogartikel über die Haltung von Katzen, aktuellen Trends aus der Applewelt und gleichzeitigen Hinweisen auf die Parolen von politischen Parteien tragen zur Bildung enger Freundschaften auf Facebook bei. Am besten teilen Sie täglich zehn Links, möglichst alle gleichzeitig oder in ganz kurzen Abständen hintereinander.
 
Posten Sie möglichst viele Einzelbilder an Ihre Pinnwand

Täglich werden rund 325 Millionen Bilder auf Facebook hochgeladen. Die Möglichkeit, Bilder in Alben zu sammeln und gemeinsam hochzuladen, ist eine tolle Funktion auf Facebook, die Sie am besten nicht nutzen. Optimalerweise laden Sie jedes Foto einzeln via Pinnwand hoch, so gehen Sie sicher, dass Ihre Freunde jedes einzelne Bild sehen und kommentieren können.
 
Verknüpfen Sie Twitter, Foursquare und Youtube mit Ihrer Pinnwand

Twitter und Facebook sind von der Nutzung her sehr ähnlich, entsprechend auch die Zielgruppe, die Reichweite und die Updatefrequenz. Optimal ist es, wenn Sie Facebook und Twitter miteinander verknüpfen und jede Meldung auf beiden Netzwerken gleichzeitig Ihren Freunden mitteilen. Perfekt ist es dann, wenn möglichst die gleichen Personen Ihnen auf beiden Kanälen folgen. Durch Systemmeldungen auf Twitter wie «Ich habe ein neues Album auf Facebook hochgeladen», «XY hat sich am Bahnhof Zürich eingecheckt» sowie die unzähligen täglichen Statusupdates gehen Sie sicher, dass Ihr Freundeskreis nichts verpasst. Auch die Information, dass Sie auf Youtube ein neues Video hochgeladen oder ein Video bewertet haben, ist für Ihre Freunde äusserst spannend. 100 Prozent auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie via Twitter den Hinweis «Ich habe ein neues Album auf Facebook hochgeladen» posten und bei eingeschalteter Synchronisierung auf diese Information auf Facebook direkt unterhalb des Bilderuploads gleich nochmals im Newsfeed hinweisen. Auch Check-in-Meldungen von Foursquare erhalten die doppelte Aufmerksamkeit, wenn der Dienst mit Facebook verbunden ist, noch grösser wird der Effekt, wenn Sie parallel dazu mit Facebook ebenfalls einchecken. Die in Twitter gesetzten Hashtags sehen in Facebook toll aus und demonstrieren Ihren Freunden Ihr breites Social-Media-Wissen.
 
Facebookseiten und -Profile synchronisieren

Sie betreiben eine Facebookseite? Unterlassen Sie es bitte nicht, jede Meldung, welche Sie über Ihre Facebookseite an Ihre Fans ausgeben auch im privaten Profil zu teilen. Nur so haben Ihre Freunde, die es versäumt haben, Fan Ihrer Seite zu werden, die Möglichkeit, die Aktualisierungen Ihrer Seite ebenfalls zu erhalten. Vergessen Sie auch nicht, regelmässig Ihre Freunde über die Existenz Ihrer Facebookseite zu informieren.
 
Kommentieren Sie jeden Beitrag

Sehr sympathisch wirken Sie, wenn Sie sämtliche Beiträge Ihrer Freunde kommentieren. Noch sympathischer sind Sie, wenn Sie dem Beitragsautor mitteilen, dass der publizierte Inhalt nichts Neues oder nichts Interessantes beinhaltet. Am meisten Sympathien erhalten Sie aber, wenn Sie bei jedem Kommentar auf Ihre Dienstleistungen hinweisen.
 
Weisen Sie auf Rechtschreibfehler hin

Die meisten Facebooknutzer wenden Stunden dafür auf, ihre Beiträge in Facebook zu erstellen und geben sie im Normalfall einem Lektorat zur Überprüfung. Weisen Sie unbedingt den Autor eines Newsbeitrages auf Schreibfehler hin und helfen Sie ihm, seine sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern.
 
Antworten Sie auf Fragen mit einem «gefällt mir»

Viele Fragen auf Pinnwänden beabsichtigen einen Kommentar – klicken Sie wenn immer möglich bei Fragen auf «gefällt mir», damit der Fragestellende weiss, dass Sie die Frage verstanden haben.
 
Laden Sie alle Freunde zu Spielen ein

Spiele auf Facebook sind sehr unterhaltsam. Noch mehr Spass machen Spiele, wenn Sie alle Ihre Freunde dazu einladen. Optimalerweise nehmen Sie auch an allen Quiz-Spielen teil. Ihre Freunde freuen sich sehr, wenn Sie für sie das Quiz «Ist dein Freund X ein guter Liebhaber» ausfüllen und den Hinweis auf das Ergebnis direkt an ihrer Pinnwand publizieren. Auch die Nutzung von Applikationen wie Shazam und Spotify erfreut Ihre Freunde, vor allem, wenn Sie neue Ergebnisse und Spielstände alle fünf Minuten veröffentlichen.
 
Machen Sie immer und überall Fotos für Facebook

Das Publizieren von Fotos auf Facebook hat seinen Reiz. Machen Sie deshalb möglichst viele Fotos von sich, Ihren Freunden und Bekannten, optimalerweise am Betriebsfest, unter Alkoholeinfluss, von strippenden oder alkoholisierten Freunden, und posten Sie diese Fotos laufend auf Facebook. Diese Fotos sind ein Garant für viele Kommentare und «Gefällt mir»-Klicks.
 
Kopieren Sie alle Schneeballmeldungen in Ihren Status

Facebook und das Leben bieten viele Gefahren. Aus diesem Grund ist es äusserst wichtig, dass Sie alle Hinweise auf Bedrohungen ohne weiteres Hinterfragen an Ihre Freunde weitergeben. Kürzen oder ergänzen Sie nach Möglichkeit diese Warnmeldungen. Und vergessen Sie nicht die Aufforderung «Wichtig! Kopiere und teile diese Meldung mit allen deinen Freunden» in die Nachricht zu integrieren.

Ex-Politiker zertrümmert mit Axt Schaufenster

publiziert am 03.10.2012 auf 20min.ch
 
Schock für einen Optiker aus Bülach: Ein Mann schlägt in blinder Wut die Schaufenster seines Geschäfts ein, eins nach dem andern - mit einer Axt. Der Täter ist ein Ex-Politiker.
 
Es geschah am Dienstag kurz vor 14 Uhr: Bassam Hami (46), Inhaber der Brillenfactory in Bülach, hörte plötzlich Glas klirren. «Als ich nachschaute, sah ich einen Mann, der mit einer Axt ein Schaufenster nach dem anderen zertrümmerte», so Hami. Weil er Angst gehabt habe, dass der Mann mit der Axt auch ihm etwas antun könnte, habe er nicht eingegriffen.
«Als er mit allen Scheiben fertig war, ging er einfach langsam weiter, und ich folgte ihm mit Abstand», sagt Hami. Als Nächstes machte der Mann in einer Apotheke Halt, weil er sich offenbar bei seiner Tat an der Hand verletzt hatte.
 
Täter ist ein umstrittener Grünliberaler
 
«Beim Bahnhof konnten wir den offenbar psychisch angeschlagenen Mann festnehmen», bestätigt Kapo-Sprecher Stefan Oberlin den Vorfall. Den Sachschaden am Optikergeschäft schätzt die Polizei auf 15 000 Franken.
 
Brisant: Beim Täter handelt es sich um den ehemaligen grünliberalen Politiker Y. V.* Er war 2010 als Parlamentspräsident einer Zürcher Gemeinde abgesetzt worden, nachdem er in einer 1.-August-Rede gesagt hatte, er sei gegen die Ansiedlung «nicht-weisser» Menschen in Europa. Hami, der den Ex-Politiker vorher nicht gekannt hatte, vermutet nun, dass der Mann sein Geschäft aus rassistischen Motiven angegriffen hat. «Vielleicht störte ihn meine braune Hautfarbe», so der gebürtige Jordanier mit Schweizer Pass.
 
*Name der Redaktion bekannt, Initialen geändert

Die Invasion der Schwarzmeergrundeln

publiziert am 03.10.2012 auf NZZ.ch

Seit vielen Jahren befürchten Schweizer Fischereifachleute eine Invasion von Fischen aus dem Schwarzen Meer in das Rheineinzugsgebiet. Die Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals vor 20 Jahren macht es möglich, dass ursprünglich dort, im sogenannten ponto-kaspischen Raum, heimische Arten ihre natürlichen biogeografischen Grenzen überschreiten. Es sind vor allem fünf Grundelarten, als «Schwarzmeergrundeln» zusammengefasst, die den Experten Sorgen bereiten. Denn auch die Folgen anderer menschlicher Aktivitäten wirken einladend auf diese Tiere. Der Anstieg der Wassertemperaturen und die Veränderung der Lebensräume durch Stauhaltungen und Verbauungen schaffen Bedingungen, zum Beispiel langsam fliessende oder stehende Gewässerabschnitte, unter denen sie sich wohl fühlen. So sind sie etwa im Rhein bei Basel, gegenüber der Mündung der Birs, massenhaft vertreten.

Schlechte Schwimmer

Vor einem Jahr wurden im Rhein oberhalb des Kraftwerks Birsfelden erstmals Bestände von Kesslergrundeln beobachtet, die sich fortpflanzen. Seit Juni fängt unsere Forschungsgruppe in den von uns im Rheinhafen Kleinhüningen ausgelegten Reusen auch Schwarzmundgrundeln. Wie diese sich ausbreiten, ist unklar: Zu wenig ist bekannt über diese Arten, die zoologisch der Familie der Gobiiden zuzurechnen sind. Man weiss zum Beispiel, dass sie im Laufe der Evolution die Schwimmblase aufgegeben haben und vorwiegend am Boden leben. Sie laichen zweimal im Jahr und haben ein sehr breites Spektrum an Beutetieren, das viele Bodenlebewesen, kleine Fische und Fischeier umfasst. Sie bevorzugen wärmere Gewässer und sind als schlechte Schwimmer bekannt.

In Anbetracht der tausend Kilometer Entfernung, die sie in weniger als 10 Jahren vom Donauraum bis nach Basel bewältigt haben, ist es daher unwahrscheinlich, dass sie aktiv schwimmend zu uns gelangt sind. Eventuell heften sie sich mithilfe ihres Bauchsaugnapfes, einer Umbildung ihrer Bauchflossen, an Schiffe und lassen sich so stromaufwärts transportieren. Möglicherweise kleben sie auch ihren Laich an Schiffsrümpfe, oder sie gelangen als Larven mit dem Ballastwasser von Schiffen in neue Regionen. Sie könnten auch als Köderfische oder mit Besatzfischen in andere Gewässer gebracht worden sein.

Folgen für die Ökosysteme

Die Schwarzmeergrundeln gelten aufgrund ihrer Ausbreitungsfreudigkeit und Fortpflanzungspotenz als invasive Arten und können in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. So findet man entlang des österreichischen Donauufers bis zu 435 dieser Einwanderer auf 100 Metern Uferlänge. Bei diesen Dichten sind Auswirkungen auf die einheimische Fauna unausweichlich. Die Schwarzmeergrundeln treten gegenüber heimischen Arten als Nahrungs- und Raumkonkurrenten auf. So verdrängen sie ansässige Groppen sogar aus bereits besetzten Laichhöhlen. Als bedeutende Laichräuber können sie zudem bis zu drei Viertel ihres Körpergewichtes an Fischeiern fressen und spüren dabei bis zu 80 Prozent der in Laichgruben verborgenen Eier auf.

In den USA sind diese Grundeln seit den 1990er Jahren anzutreffen. Wahrscheinlich über Ballastwasser gelangten sie aus dem Schwarzen Meer in die Grossen Seen im Norden der USA. Dort haben sie, vermutlich durch Wegfressen der Brut, einen fast vollständigen Reproduktionsausfall bei der heimischen Seeforelle verursacht. Auch weitergehende Auswirkungen der Grundeln auf von ihnen neu besiedelte Ökosysteme sind bekannt. An der Ostsee wurde seit der Ausbreitung der Schwarzmeergrundeln ein Anstieg der Kormoranpopulation um das Zehnfache verzeichnet. Dies zum einen, weil die Kormorane gerne Grundeln fressen, wenn diese im Überfluss vorhanden sind. Zum anderen, weil sie gegen deren Parasiten – anders als gegen die der einheimischen Fische – resistent sind. Die Zunahme der Kormorane dürfte die durch die Grundeln bedrängten heimischen Fische zusätzlich unter Druck setzen.

Die Folgen einer Invasion der Schwarzmeergrundeln in der Schweiz können wir heute noch nicht genau absehen. Klar ist, dass der kontinuierliche Zustrom der Grundeln aus dem Donauraum wegen der weitreichenden Vernetzung der Wasserstrassen Europas unausweichlich ist. Schon jetzt stellen sie 44 Prozent aller Fische in unseren Reusen in Basel. Von der Lebensweise her ist die Groppe die Art, die am unmittelbarsten von einer Grundelinvasion betroffen sein dürfte. Edelfische wie die Lachsartigen sind durch Laichfrass und Dezimierung ihrer Larven bedroht.

Vorbeugung als Königsweg

Im Kampf gegen die Invasoren gilt die Vorbeugung gegen die Ausbreitung und Ansiedlung als Königsweg. Und, allen Unkenrufen zum Trotz: Präventive Massnahmen sind möglich und können bei rechtzeitigem Einsatz erfolgreich sein. Eine Invasion kann am leichtesten im Frühstadium und mit natürlichen Mitteln bekämpft werden. Der Rote Sumpfkrebs im Schübelweiher bei Küsnacht etwa wurde erfolgreich eingedämmt, vorrangig durch den Besetzung des Weihers mit Aalen. In den Grossen Seen in den USA wurden die invasiven Grundeln durch Trüschen bekämpft, grosse Raubfische, die gerne bodenlebende Fische jagen. Innerhalb von drei Jahren bewirkte diese Massnahme einen Rückgang der dortigen Grundelpopulationen um fast 60 Prozent.

Möglichkeiten zum Eingreifen

Die Geografie der Schweiz bietet eine einmalige Chance, das Einfallstor der Grundeln zu kontrollieren. 68 Prozent der Schweizer Gewässer und die meisten Seen sind Teil des Rheineinzugsgebietes. Hier wirkt das Kraftwerk Rheinfelden als «Wächter»: An seinem schleusenlosen Damm endet die Rheinschifffahrt. Freizeitboote müssen über den Damm gehievt werden. Hierbei könnten sie auf anhaftende Organismen und Eier untersucht und von diesen gesäubert werden, ein Verfahren, das sich etwa an einem Seezufluss in den USA als erfolgreich erwiesen hat. Die beiden Fischtreppen am Kraftwerk erlauben dank ihren Zählbecken ein kontinuierliches Monitoring und gegebenenfalls Aussortieren invasiver Fische. Aufwand und Kosten eines solchen Managements dürften einen Bruchteil dessen betragen, was bei einer Invasion an Schäden zu erwarten wäre: In den USA beispielsweise belaufen sich die geschätzten Kosten, die durch die verschiedenen dort registrierten invasiven Fischarten entstehen – etwa aufgrund von Ausfällen in der Fischerei oder Bekämpfungsmassnahmen –, auf 5400 Millionen Dollar jährlich.

Um wirklich erfolgreich eingreifen zu können, ist jedoch noch einiges an Vorarbeit zu leisten. Erst die Kenntnis des Ausbreitungsmechanismus ermöglicht ein gezieltes Management – und Aufklärungskampagnen. Von diesem Wissen hängt es ab, ob etwa Fischer angeleitet werden, gefangene nichtheimische Tiere nicht in ein Gewässer zurückzusetzen, sondern den Fund zu melden, oder ob beispielsweise Massnahmen zur Reinigung von Schiffsrümpfen oder zur Kontrolle von Ballastwasser eingeleitet werden müssen. Auch Forschungsresultate zu den Räubern, die die Grundeln fressen, sind wichtig, damit entschieden werden kann, ob jene eventuell gezielt zur Bekämpfung eingesetzt werden können. Beobachtungen zum saisonalen Auftreten der invasiven Arten, zu ihren Laichgewohnheiten und ihrem Frassverhalten ermöglichen die Entwicklung von Strategien, um ihre Ausbreitung und den Schaden zu minimieren.