Schwergewichte im Bundeshaus: 40 Prozent der Parlamentarier sind zu fett

publiziert am 27.07.2012 auf Blick.ch

Fettalarm in Bundesbern: Fast die Hälfte der National- und Ständeräte ist zu schwer. Gründe: Rumsitzen, Essen, Trinken. 

Eine Erklärung für die überflüssigen Pfunde in Bundesbern ist schnell gefunden: National- und Ständeräte sitzen viel rum, werden oft zu Apéros eingeladen und gehen am Abend gerne noch etwas trinken.

Gerade letzteres habe einen sehr starken Einfluss auf das Gewicht, sagt Präventivmediziner und FDP-Ständerat Felix Gutzwiller zu Blick.ch. Hinzu komme eine hohe Arbeitsbelastung durch Ratsmandat und Beruf. Da bleibe vielen kaum Zeit, genügend Sport zu treiben.

Eine in der Sommersession an 66 Parlamentariern durchgeführte Untersuchung zeigt: 40 Prozent der untersuchten Politiker weisen einen BMI (Body-Mass-Index)-Wert von mehr als 25 auf.

Das überrascht überrascht FDP-Politiker Gutzwiller nicht. Die Resultate seien zwar nur schwer mit früheren Messungen vergleichbar, doch vom Bauchgefühl sagt der Zürcher: «Das Parlament war schon immer etwas schwerer als die Bevölkerung.»
Kaum schlanke Taillen im Bundeshaus

Der BMI als Masseinheit, der das Gewicht im Verhältnis zur Körpergrösse widerspiegelt, ist zwar einfach zu verstehen, wird aber in Fachkreisen seit einiger Zeit kritisiert. Deshalb wurde bei der Gesundheitsaktion auch das Taille-Hüft-Verhältnis ermittelt.

Eine Parlamentarierin beklagte sich schon kurz nach dem Check darüber, dass sie offenbar nicht im «günstigen» Bereich liege. Und sie ist nicht die einzige: Nur gerade ein Sechstel der Untersuchten hatte ein problemloses Verhältnis zwischen Taille und Hüfte, das heisst eine schmale Taille im Vergleich zur Hüfte.

Grund für ungünstige Verhältnisse ist oft ein kleiner Bierbauch. Ein solcher schlage hier schnell einmal zu Buche,  lacht Gutzwiller. «Und dieses vorgelagerte, zentrale Fett kann gefährlicher sein als leichtes Übergewicht.»

Denn es sei nicht so relevant, wie viel Übergewicht jemand auf den Rippen trägt. Viel wichtiger ist, wo die überflüssigen Pfunde liegen: Denn der «Apfel-Typ» mit mehr Fett am Bauch weist ein höheres Herzkreislaufrisiko auf, als der «Birnen-Typ» mit mehr Hüftspeck.
Gutzwiller verlangt «vernünftigen Suchtmittelgenuss»

Neben den überflüssigen Kilos waren auch die Blutdruckwerte besorgniserregend. Keine Probleme haben die Politiker hingegen mit ihren Cholesterin- und Blutzuckerwerten.

Unterschiede bezüglich der Fitness zwischen linken und rechten Politikern wurden in der Untersuchung keine ausgemacht. Auffallend: Die Männer schnitten deutlich besser ab als ihre Ratskolleginnen.

Gutzwiller glaubt, das liege an der Selektion: «Frauen hören besser auf sich und lassen sich gerne untersuchen, während bei den Männern wohl eher die Gesunden zum Gesundheitscheck gingen.»

Die Studie müsse nun von den Parlamentariern selbst und auch von der Bevölkerung als Signal angesehen werden. Mehr Bewegung und ein «vernünftiger Suchtmittelgenuss» fordert Gutzwiller deshalb von seinen Polit-Kollegen und allen Menschen in der Schweiz.

Die Politiker-Werte wurden mit denjenigen von Berner Passanten verglichen. Das Resultat ist für die Politiker wenig schmeichelhaft.