Bauer Stöckli und die Stögelischuhe

publiziert am 30.11.2012 auf Blick.ch

Die russische Mieterin vom Bauern-Ehepaar Stöckli witterte eine Verschwörung nach der anderen. Sie habe Teile des Parketts rausgerissen und Löcher in die Tür getreten, sagen die Stöcklis.
Die Akten im Fall Lioudmila S.* (41) bedecken den ganzen Esstisch. «Die Russin hat uns fast wahnsinnig gemacht», sagt das Ehepaar Erika (60) und Walter Stöckli (53) aus Hinwil ZH. «Sie behauptet, wir hätten sie mit Abgasen unserer Traktoren vergiftet.»

Als die geschiedene Russin 2008 ins Haus der Bauernfamilie Stöckli einzieht, scheint alles in bester Ordnung. «Sie zahlte ihre Miete pünktlich. Es gab keine Probleme.»

Im Frühling 2011 ändert sich das. Aus der Muster- wird plötzlich eine Problem-Mieterin. «Sie beschuldigte mich, ich würde ständig meine Traktoren im Leerlauf laufen lassen», sagt Walter Stöckli.

In einem der Briefe an die Stöcklis schreibt Lioudmila S.: «Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand kann sich in dieser Wohnung aufhalten. Es ist kaum möglich, den katastrophalen, scheusslichen Gestank aus der Wohnung wegzulüften.» Alles sei schon voller Russ.

Für Landmaschinen-Mech Walter Stöckli völlig absurd. «Ich lasse meine Traktoren doch nicht zum Spass laufen. Wenn das so wäre, wäre auch unsere Wohnung betroffen.»

Ausraster in der Nacht

In der Nacht zum 1. November 2011 flippt die Russin komplett aus. «Morgens um halb vier schrie sie auf der Terrasse rum: ‹Ihr wollt mich vergiften!›», sagt Erika Stöckli. Minuten später donnert es an ihre Tür. Die zwei Löcher sind heute noch zu sehen. «Sie trug wohl Stögelischuhe, als sie die Tür eintreten wollte», so Erika Stöckli.

Die Polizei muss die Russin beruhigen. Stunden später geht es erneut los. «Wieder mussten wir die Polizei rufen! Wir haben dann eine Anzeige wegen Sachbeschädigung gemacht.»

Vor ihrem Auszug im letzten Januar gibt die Russin noch einmal alles: Sie verwüstet ihre Wohnung! «In einem Zimmer riss sie Teile des Parketts raus», erzählt Walter Stöckli. «Damit ging sie zu den Behörden. Sie wollte, dass diese am Parkett riechen, weil es nach Abgas stinke.»

Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil wegen der Sachbeschädigung akzeptiert die Russin nicht. Es hatte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Franken und einer Busse von 200 Franken verurteilt.

Zweifel an Schuldfähigkeit

Gestern stand Lioudmila S., die von Sozialhilfe lebt, darum vor dem Zürcher Obergericht. «Sie sagten, dass Sie sogar zu wenig Schaden verursacht hätten?», fragt der Gerichtspräsident. Die Russin geht nicht darauf ein: «Ich habe Asthma. Herr Stöckli hat das Haus mit Abgasen gefüllt. Alles steckte in den Backsteinen.»

Nach einer halben Stunden brach das Gericht die Verhandlung ab. «Wir glauben, dass sie eine Verteidigung benötigen und Zweifel an ihrer Schuld­fähigkeit bestehen», so der Gerichtspräsident. Nun muss sich die Vorinstanz nochmals mit der Russin befassen.

Auch das Ehepaar Stöckli hat noch immer keine Ruhe. «Sie hat uns kürzlich beim Veterinäramt angezeigt. Wir würden zu unseren Schweinen und Kälbern nicht gut schauen», so Walter Stöckli.

* Name der Redaktion bekannt

Neuer Schädling - zwangsläufig schädlich?

publiziert am 26.11.2012 auf der Website des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements

Cadenazzo, 26.11.2012 - Bei der Rebenminiermotte Phyllocnistis vitigenella handelt es sich um einen neuen, exotischen Schädling aus den Tessiner Rebbergen, der sich in der Region stark ausbreitet. Seine deutlich erkennbaren Schäden beunruhigen die Weinbauern, und sie befassen sich daher mit der Frage seiner potenziellen Schädlichkeit. 2011 untersuchte Agroscope in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule von Changins im Rahmen einer Bachelorarbeit die Schädlichkeit dieser Motte. Grundlage bildete die Rebsorte Merlot aus einem stark befallenen Rebberg. Dank des Ergebnisses kann der nötige Grundstein für die Entwicklung einer Bekämpfungsstrategie gelegt werden.

Das Tessin, ein eingenommenes Gebiet

P. vitigenella ist ein Kleinfalter aus Nordamerika, der zum ersten Mal 1994 in Europa, genauer in Ostitalien, auftrat. Von da breitete sich das Insekt aus und überschritt 2009 die Schweizer Grenze. Seit seiner Entdeckung hat Agroscope dessen Ausbreitung genau verfolgt. Letztere erfolgte sehr schnell und zum heutigen Zeitpunkt sind sämtliche Weinbaugebiete des Kantons Tessin von kontinuierlich wachsenden Populationen besiedelt. Ausnahme bildet das Südtessin, wo das Insekt zum ersten Mal aufgetreten ist. Diese rasche Verbreitung und die zunehmende Populationsdichte geben Anlass zu Besorgnis, was seine wirkliche Schädlichkeit anbelangt. Infolgedessen stellt sich die Frage, ob Bekämpfungsstrategien entwickelt werden müssen, damit die Schäden in den Rebbergen begrenzt werden können.

Zuerst die Schädlichkeit ermitteln

Die Rebenminiermotte bringt im Tessin drei Generationen im Jahr hervor. Die Larven fressen sich durch das Blattgewebe und legen so lange Miniergänge an. Die Anzahl Gänge nimmt bei der dritten Generation stark zu, die sich entsprechend der Traubenreife entwickelt. Die Untersuchung dieses Schadens hat gezeigt, dass die Miniergänge die Photosynthese-Aktivität der gesunden Teile der befallenen Blätter nicht senken und keinen Einfluss auf Traubenertrag und -reifung haben. Die Pflanze scheint die Schäden der Rebenminiermotte also scheinbar zu tolerieren, womit die Motte als nicht schädigend betrachtet werden kann. Ihre Unschädlichkeit hängt jedoch auch davon ab, welche Anbau-Massnahmen der Weinbauer ergreift: Fallen die Blattschäden mit zu hohem Traubenbehang, zu grossem Auslauben und zu grossem Laubschnitt bei der Traubenreife zusammen, könnte dies zu einem Qualitätsverlust führen. Es ist also fundamental, die Produktion zu begrenzen und die Blattfläche gut zu pflegen. Ausserdem könnte der Klimawandel das Verhalten der Motte künftig verändern, ist doch die Entwicklung eines Insekts in erster Linie temperaturabhängig. Eine schrittweise Klimaerwärmung könnte P. vitigenella dazu verleiten, vier Generationen oder mehr zu entwickeln. In diesem Fall müsste ihr Einfluss überprüft werden.

Die aktuelle Unschädlichkeit der Motte ermöglicht die Suche nach einer ökologischen Waffe

Die Feststellung, dass diese Motte unschädlich ist, ist wichtig, damit Bekämpfungsmassnahmen entwickelt werden können, die sich auf die Nutzung natürlicher Gegenspieler stützen. Entgegen der Entwicklung bei anderen exotischen Schädlingen haben sich nämlich einheimische Nützlinge, in diesem Fall Parasitoide, bereits P. vitigenella angepasst. Der Parasitierungsgrad liegt bei etwa 17 %. Die Nutzung vorliegender natürlicher Gegenspieler ist zentral, um eine biologische Kontrolle dieses Schädlings zu garantieren. Damit diese Kontrolle jedoch auf Dauer verbessert und stabilisiert werden kann, muss der Zusammenhang zwischen der Rebenminiermotte, den Parasitoiden und der Umgebung des Rebbergs noch erforscht werden.

Jäger brauchen Fuchs als Wegweiser

publiziert am 24.11.2012 auf 20min.ch

Ein Fuchs hängt am Samstagmorgen tot an einem Strassenschild im Kanton Bern. Ein Bild, das auch die Polizei beschäftigt. Die Verantwortlichen sind schnell gefunden, sehen in ihrer Aktion aber kein Problem.

Leser-Reporter R. musste zwei Mal hinsehen, als er am Samstagmorgen in Stettlen BE den Schwandiweg passierte. Am Wegweiser am Strassenrand hing ein Tier! Bei genauerem Hinsehen wurde R. klar: Es handelt sich um einen Fuchs.

«Er war auf eine Art Holzgestell gespannt – diese Konstruktion war dann am Metallpfahl des Schilds befestigt», erzählt R.. Das skurrile Bild beschäftigte auch die Berner Kantonspolizei. Beamte fuhren eigens nach Stettlen, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. Die Polizisten nahmen den aufgehängten Fuchs herunter und beschlagnahmten ihn.

«Die Patrouille stellte fest, dass der Fuchs schon einige Zeit tot war. Vom Tier ging ein ziemlich starker Verwesungsgestank aus», erklärt Mediensprecherin Alice Born auf Anfrage. Da in der Gegend am Samstagmorgen eine Fuchsjagd stattfand, fiel der Verdacht schnell auf den entsprechenden Jagdverband. «Der zuständige Wildhüter wird das Gespräch mit den Leuten suchen», so Born.

Fuchs diente als Wegweiser

Und tatsächlich – auf Anfrage beim Berner Jägerverband ist das Rätsel schnell gelöst. «Wir haben den Fuchs als Wegweiser aufgehängt, damit die Jäger leichter zum Treffpunkt finden», erklärt Verbandspräsident Lorenz Hess. Er stellt aber klar: «Es war nicht das ganze Tier, sondern nur das Fell eines Fuchses, der vor einiger Zeit erlegt worden war.» Weshalb die Polizei von einem Verwesungsgeruch spricht, kann er sich nicht erklären.

Am ungewöhnlichen «Wegweiser» sieht er denn auch nichts Despektierliches. «Es gibt auch Restaurants, die den Gästen mit Fellen den Weg weisen», so Hess. Er habe auch keine negativen Reaktionen bekommen. «Die Fuchsjagd wird hier in der Gegend allgemein sehr positiv aufgenommen. Die Leute sind froh, wenn wir die Zahl der Füchse etwas reduzieren. Wenn wir unterwegs auf Hündeler oder Spaziergänger treffen, werden wir immer freundlich gegrüsst.»

Unter den 20 Leuten, die am Morgen an der Jagd teilgenommen haben, war laut Hess auch der Wildhüter der Region– jener, der laut der Polizei in den nächsten Tagen das Gespräch mit den Jägern suchen sollte. «Er hatte gar nichts auszusetzen am aufgehängten Fuchsfell», hält Hess abschliessend fest. «Es war eine gute und friedliche Jagd. Wir haben insgesamt fünf Füchse erlegt.»

Tierschützer sind entsetzt

Der Dachverband der Berner Tierschutzorganisationen hingegen ist entsetzt: «Ich verurteile diese Aktion aufs Schärfste. Die Jäger haben die Würde des Tieres verletzt. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, auf die Jagd hinzuweisen», so Präsidentin Alexandra Spring.

Keine Wodka-Gelage mehr über den Wolken

publiziert am 16.11.2012 auf 20min.ch

Jetzt ists genug: Die russischen Behörden wollen nicht mehr länger zusehen, wie betrunkene Flugpassagiere randalieren und pöbeln. Deshalb soll der Alkoholkonsum an Bord eingeschränkt werden.

Russland will den Alkoholkonsum an Bord von Flugzeugen deutlich einschränken. Angesichts etlicher Zwischenfälle mit stark betrunkenen Passagieren und hohen Kosten für ungeplante Landungen sollen Fluggäste keinen Alkohol mehr an Bord bringen dürfen, den sie zuvor im Duty-Free-Bereich gekauft haben.

Eine entsprechende Gesetzesbestimmung des Transportministeriums auf Initiative der Fluglinien sieht vor, dass Passagiere ihren Alkohol abgeben müssen und erst nach der Landung zurückbekommen. Die Strafen für Verstösse im Luftverkehr von derzeit maximal 1500 Rubel (rund 45 Franken) sollen zudem deutlich verschärft werden.

Allerdings können die Fluglinien weiter Alkohol ausschenken. Zwar verbieten schon jetzt viele Gesellschaften den Konsum von Duty-Free-Produkten. Dennoch trinken vor allem auf Langstreckenflügen viele Passagiere bis zur Besinnungslosigkeit. Laut Umfragen trinkt etwa ein Fünftel der russischen Fluggäste an Bord harten Alkohol.

Neuartiges Bettlaken zur Dekubitusprävention - Innovatives Textil verbessert Lebensqualität für Bettlägerige

publiziert am 15.11.2012 auf der Website des Eidgenössischen Departements des Innern

Dübendorf, St. Gallen und Thun, 15.11.2012 - Für immobile Patientinnen und Patienten sind Druckgeschwüre auf der Haut eine ständige Bedrohung. Ein von der Empa und der Firma Schöller Medical zusammen mit dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum entwickeltes Bettlaken verringert die Reibung und fördert das Wohlbefinden der Personen.

Die Haut ist der Alleskönner unter den Organen: Sie schützt den Körper vor Umwelteinflüssen, leistet einen Beitrag zur Immunabwehr und unterstützt Stoffwechselfunktionen wie die Atmung. Die Haut ist immer in Aktion. Was ihr nicht bekommt, ist Immobilität. Bewegt sich ein Patient nicht, verursachen ansteigende Feuchtigkeit sowie Druck- und Scherkräfte Durchblutungsstörungen im Gewebe. Als Folge steigt der Anteil toxischer Substanzen, und es kommt zu Geschwüren, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein können. Betroffen sind vor allem zwei Gruppen: ältere und querschnittgelähmte Menschen. Bei ihnen beträgt das Risiko, im Verlauf eines Klinikaufenthaltes an einem «Dekubitus» zu erkranken, trotz aller Fortschritte in der Pflege bis zu 50 Prozent. Und gar vier von fünf Querschnittgelähmten entwickeln mindestens einmal in ihrem Leben ein Druckgeschwür.

Die Medizinaltechnik hat das Problem erkannt: Es gibt unzählige Ansätze und Ideen, die Lebensqualität von Dekubitusgefährdeten zu erhöhen. Doch die einen funktionieren (noch) nicht gut genug, andere – wie zum Beispiel Matratzen mit wechselnden Druckverhältnissen – sind immer noch sehr teuer.

Neuartiges Bettlaken bringt Linderung

Anke Scheel, Oberärztin am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) im luzernischen Nottwil, zögerte daher nicht, als ihr die Empa die Mitarbeit an einem Projekt vorschlug, das auf die Entwicklung einer neuartigen Bettwäsche hinauslief. «Es war gerade der scheinbar simple Ansatz, der mich für die Sache einnahm», erinnert sich Scheel. Geleitet wird das Projekt von Empa-Forscher Siegfried Derler in der Abteilung «Schutz und Physiologie». Der Physiker widmet sich schon seit Jahren dem Thema Haut und Reibung und arbeitet an der Entwicklung von hautfreundlichen Materialen und Oberflächen.

Mit dem medizinischen Phänomen Druckgeschwür befasst er sich seit 2006. Damals lancierte er zusammen mit der Schöller-Gruppe – einem international führenden Anbieter von technischen Textilien – ein erstes von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) gefördertes Projekt zur textilen Dekubitusprävention. Die Resultate waren viel versprechend, weshalb die Partner drei Jahre später nachlegten und auch das SPZ ins Boot holten.

Weniger Berührungspunkte dank spezieller Textilstruktur

«Wir evaluierten marktgängige Kunstfasern», erklärt Derler, «und entwickelten einen Stoff mit einer Art Punktrasteroberfläche.» Diese spezielle Textilstruktur hat zwei Vorteile: Erstens entstehen weniger Berührungspunkte und eine geringere Kontaktfläche mit der Haut und zweitens können die mikroskopischen Leerräume zwischen den Rasterpunkten Feuchtigkeit aufnehmen.

Was folgte, war ein spannender Pingpong-Prozess zwischen den Labors der Empa und der F+E-Abteilung von Schöller im St. Gallischen Sevelen. Der Industriepartner optimierte seine Webtechniken und das Team von Siegfried Derler testete die neuen Muster an seinen ausgeklügelten Hautmodellen.

Ende 2009 war es dann soweit: Die Laborresultate erlaubten den Schritt ins Spitalbett. Als Testgruppe stellten sich 20 Querschnittgelähmte am Ende ihrer Erstrehabilitation am SPZ in Nottwil zur Verfügung, deren Haut durch die Invalidität zwar bereits verändert, aber noch nicht über Jahre geschädigt war.

Verbesserte Blutzirkulation und mehr Komfort

Während rund anderthalb Jahren kontrollierten die Fachleute der Empa und das medizinische Personal in Nottwil regelmässig die Durchblutung sowie die Rötung, Elastizität und Feuchtigkeit der betroffenen Hautpartien. Das subjektive Befinden der Testpersonen wurde per Fragebogen erhoben. Die Ergebnisse waren mehr als erfreulich: sie schwitzten weniger, ihre Hautdurchblutung verbesserte sich und sie fühlten sich deutlich wohler als auf herkömmlichen Laken.

«Wir haben gezeigt, dass unser Ansatz der textilen Dekubitusprävention funktioniert», freut sich Hans-Jürgen Hübner, Chef von Schöller Medical. Er lässt das neue Betttuch zurzeit am Firmenhauptsitz in Sevelen harten Tests unterziehen, die zeigen sollen, wie es sich nach mehrmaliger Nutzung und Reinigung verhält. Im kommenden Frühjahr will Schöller Medical die Innovation dann auf den Markt bringen. «Wir sind daran, ein internationales Vertriebssystem aufzubauen», sagt Hübner. Einen potenziellen Kunden kennt er schon: Das SPZ ist aufgrund der ersten positiven Resultate daran interessiert, die neuen Betttücher breiter im Alltag einzusetzen. «Ausserdem», so Oberärztin Anke Scheel, «wären einige unserer Patienten daran interessiert, dass Betttuch auch zuhause zu nutzen.»

Grappa-Explosion im Tessin

publiziert am 12.11.2012 auf Blick.ch

Achille C. und Domenico F.* (77) wollten am Donnerstagmorgen Grappa brennen. Doch nun ist die gesamte Destillieranlage zerstört und die beiden Schnapsbrenner wurden verletzt.

Höllische Schmerzen plagen Achille C.* (78). Der Rentner aus Biasca TI schlägt drei Kreuze. «Ich danke Gott, dass ich noch lebe. Es hätte viel schlimmer kommen können», meint er. «Zum Glück brannten nur meine Füsse.»

Kopfschüttelnd schaut er in den zertrümmerten Schuppen an der Via al Maglio. Im Dach klafft ein Loch. Die Wellblechwände sind aufgeplatzt. Die alte Destillieranlage ist zerfetzt. 

«Ein Desaster», sagt das Mitglied der Schnaps-Kooperative in Biasca. Achille C. und Domenico F.* (77) wollten am Donnerstag Grappa brennen. Das machen sie seit 20 Jahren. Die Kooperative zählt 230 Mitglieder, produziert bis zu 4000 Liter Grappa im Jahr.

Am Morgen haben die Rentner den 50 Jahre alten Kupferkessel angeheizt. «Daraus schmeckt der Grappa besonders gut», sagt Achille C. Um halb zwölf will er Dampf ablassen, dreht den Hahn auf. «Da gabs einen Knall. Ich flog fünf, sechs Meter weit, plumpste auf den Boden. Wir sahen nichts mehr. Alles war voller Dampf.»

Einen Grappa zur Beruhigung

Ein Nachbar, der die Detonation mitbekam, erzählt: «Ich sah ein Ding 150 Meter weit durch die Luft fliegen.» Das war der Kupferkessel, er landete auf dem Feld. «Gott sei Dank», sagt Nonno Achille, «ist niemand anderes zu Schaden gekommen.»

Die Rentner aber werden beide verletzt. «Meine Füsse erlitten Verbrennungen zweiten Grades, die Haut wurde abgezogen. Sie tun mir höllisch weh», sagt Achille C. Und Domenico F. erzählt: «Ich habe bei der Explosion einen Schlag in die Seite bekommen und mir wahrscheinlich eine Rippe gebrochen.» 
Schnaps brennen können sie in Biasca nicht mehr. «Das wieder aufzubauen, kostet mindestens 100 000 Franken», meint Achille C., «so viel Geld haben wir nicht. Aber auf den Schrecken genehmigen wir uns noch einen Grappa. Das lassen wir uns nicht nehmen!»

* Namen bekannt  

Asylbewerber schlachten Schafbock Kurti

publiziert am 12.11.2012 auf 20min.ch

Der Urdorfer Bauer Thomas Grob ist noch immer geschockt: Sein junger Schafbock Kurti wurde von Asylbewerbern qualvoll getötet.

Als der Urdorfer Landwirt Thomas Grob (32) am Samstagmorgen nach seinen Schafen schaute, merkte er sofort, dass etwas nicht stimmte. «Adelaide, eines unserer beiden Kleinen, plärrte und lief aufgeregt umher.» Während die vier ausgewachsenen Tiere sich in einem Graben verschanzt hatten, fehlte Adelaides Bruder Kurti. «Im Unterstand entdeckte ich dann die Blutlache», so der Bauer bestürzt.

Eine Bekannte kam schliesslich vorbei und erzählte Grob, sie habe beim Morgenspaziergang im Wald ein aufgehängtes Schaffell, Knochen und Eingeweide entdeckt. Die alarmierte Polizei bestätigte den schrecklichen Verdacht: Es handelte sich um Kurtis Überreste. Laut der Kapo war Kurti mit ungeschliffenen Messern «sehr unsachgemäss» getötet worden. «Offenbar musste das Tier noch minutenlang leiden», so Sprecher Werner Schaub.

Die Täter waren schnell gefasst. In der Asylunterkunft nahe des Hofes stellte die Polizei bei zwei tunesischen Bewerbern (25 und 34 Jahre) ca. 20 Kilogramm frisches Schaffleisch sicher. Die geständigen Männer wurden verhaftet.

Besonders tragisch für Thomas Grob: Kurti hätte der neue Zuchtbock werden sollen. Auch sonst hing die Familie sehr am Tier. «Er ist im Frühling fast zeitgleich mit unserem Töchterchen zur Welt gekommen», sagt der Bauer.

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Weiterhin intensive Kontrollen

publiziert am 12.11.2012 auf der Website des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Bern, 12.11.2012 - Der Asiatische Laubholzbockkäfer, ein besonders gefährlicher Schädling, der fast alle Laubbaumarten befallen kann, tauchte 2011 erstmals auch in der Schweiz auf. Seither wurden Käfer oder Larven in sieben Kantonen gefunden. In den meisten Fällen gelangten sie in Verpackungsholz von Steinimporten aus Asien in die Schweiz. In Winterthur wurden jedoch im Juli 2012 auch lebende Bäume in grösserem Ausmass befallen. Seit Juli 2012 werden Steinimporte in die Schweiz strenger kontrolliert. Dabei wurden rund 8 Prozent der kontrollierten Container beanstandet (Stand 2. November 2012). Der Bund erarbeitet zurzeit eine nationale Bekämpfungsstrategie.

2012 wurden in verschiedenen Kantonen Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis Motschulsky) gefunden (siehe auch Kasten). Seit dem ersten Auftauchen einzelner Käfer dieses besonders gefährlichen Schädling im Herbst 2011 in den Kantonen Freiburg und Thurgau haben fünf weitere Kantone Anoplophora-Fälle gemeldet. Und zwar Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Bern, Luzern und Zürich. Insgesamt wurden bisher in der Schweiz mindestens rund 145 lebende und 7 tote Asiatische Laubholzbockkäfer und zahlreiche Larven festgestellt.

In den meisten Fällen befanden sie sich in Verpackungsholz von Steinprodukteimporten aus Asien. Der grösste Befall trat im Juli 2012 an lebenden Bäumen in Winterthur auf. Dort mussten in einer Allee notfallmässig über 60 Bäume gefällt, das Holz gehäckselt und in der Kehrrichtverbrennungsanlage vernichtet werden. Die Bäume im Umkreis von rund zwei Kilometern werden während der nächsten vier Jahre regelmässig kontrolliert. Bei Verdachtsfällen kommen auch speziell ausgebildete Spürhunde und Baumkletterer zum Einsatz.

Dort, wo bereits Käfer oder Larven gefunden worden sind, wird im Winter ebenfalls eine Kontrolle durchgeführt. Dann können in den Baumstämmen überwinternde Larven aufgespürt werden. Im Frühling, wenn der Ausflug der Käfer beginnt, wird die Überwachung wieder intensiviert.

Meldepflicht für Steinimporte wirkt

Seit dem 9. Juli 2012 ist eine landesweite Meldepflicht für Steinimporte aus Drittländern (Nicht EU-Länder) und aus dem EU-Land Portugal in Kraft. Kontrolleure des Eidgenössischen Pflanzenschutzdienstes, der von den Bundesämtern für Umwelt (BAFU) und Landwirtschaft (BLW) geführt wird, kontrollieren das Verpackungsmaterial und geben die Importe frei, sofern sie einwandfrei sind. So soll verhindert werden, dass weitere Asiatische Laubholzbockkäfer in die Schweiz eingeschleppt werden.

Die verstärkten Kontrollen am Hafen in Birsfelden sind nach Einschätzung des BAFU wirksam. Bis am 2. November 2012 wurden insgesamt rund 259 Importlieferungen mit 617 Containern kontrolliert. 21 Lieferungen mit 48 Containern wurden beanstandet, weil der ISPM15 Standard nicht eingehalten worden war. Dieser Standard verlangt von den exportierenden Ländern eine thermische Behandlung des Verpackungsholzes, bei der allfällige Laubholzbockkäfer oder deren Larven abgetötet werden. Es wurden aber auch etliche Paletten gefunden, die zwar als behandelt gekennzeichnet waren, aber trotzdem lebende Käferlarven enthielten. Das beanstandete Verpackungsmaterial wurde vernichtet.

Zurzeit prüft der Eidgenössische Pflanzenschutzdienst, ob die Meldepflicht, die heute nur für Steinimporte aus Drittländern (Nicht EU-Länder) und aus dem EU-Land Portugal gilt, auf weitere Waren ausgedehnt werden soll, die mit Holzverpackungen aus Risikoländern importiert werden, speziell aus dem asiatischen Raum.

Informationsmassnahmen greifen

Die Kantone sind gesetzlich zuständig, die Gesundheit ihrer Wälder zu kontrollieren und dem Bund Befälle durch meldepflichtige Quarantäneorganismen zu melden. Zurzeit erarbeitet das BAFU eine nationale Bekämpfungsstrategie gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer sowie eine Richtlinie dazu. In einer nationalen Arbeitsgruppe unter der Leitung des EPSD arbeiten auch die Kantone intensiv mit. Ziel ist die Tilgung aller Befallsherde.

Um möglichst viele Verdachtsfälle zu finden, haben Bund und Kantone Informations- und Sensibilisierungsmassnahmen getroffen. Diese zeigen Wirkung: In den letzten Wochen sind deutlich mehr Meldungen und Anfragen bei den Bundesfachstellen und den kantonalen Behörden eingegangen. Dadurch haben auch die Bestimmungsarbeiten, die an der Eidg. Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf durchgeführt werden, stark zugenommen.


KASTEN
Der Asiatische Laubholzbockkäfer

Der Asiatische Laubholzbockkäfer zählt zu den meldepflichtigen Quarantäneorganismen. Er wird vor allem mit Verpackungsholz aus dem asiatischen Raum eingeschleppt. Der Käfer ist gemäss der Pflanzenschutzverordnung ein besonders gefährlicher Schadorganismus, der nicht in die Schweiz gebracht und verbreitet werden darf und der konsequent bekämpft werden muss. Er ist besonders gefährlich, weil er zwar Bergahorn und Weide bevorzugt, aber nahezu alle Laubholzarten gefährdet und vorwiegend gesunde Bäume befällt. Einmal befallene Bäume sterben in der Regel innerhalb weniger Jahre ab, ohne dass sich dieser Prozess aufhalten lässt. Es besteht die Gefahr, dass der Schädling in öffentlichen Pärken, in landwirtschaftlichen Obstkulturen und im Wald, grosse wirtschaftliche und ökologische Schäden anrichtet.

Wer einen verdächtigen Käfer sieht, sollte ihn fangen, wenn möglich lebendig in einen fest verschliessbaren Behälter (Glas mit Deckel; keine Plastiksäcke) geben, nach Möglichkeit fotografieren und dann umgehend die zuständige kantonale Pflanzenschutzstelle informieren. Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist meist glänzend schwarz mit über den Körper verteilten hellen Flecken. Er ist relativ leicht zu unterscheiden von den meisten einheimischen Bockkäferarten, von denen einige europaweit bedroht und geschützt sind.

Hauen! Klauen! Pöbeln! Spucken! Belästigen! - Der brutale Alltag in unseren SBB-Zügen

publiziert am 11.11.2012 auf Blick.ch

Gewalt und Diebstähle in Zügen und an Bahnhöfen nehmen massiv zu. Dies zeigt ein vertrauliches Papier der SBB, das SonntagsBlick vorliegt. 

Das 7-seitige Papier trägt einen harmlosen Titel: «Lageupdate Security August 2012». Darüber steht der Vermerk: «Vertraulich». Doch die folgenden Ausführungen haben es in sich.

«Seit Mitte 2011 sind in den Security-Ereignisfeldern Tätlichkeiten, Drohungen und Diebstähle gegenüber den Vorjahren negative Trends feststellbar», heisst es in dem Bericht etwas gestelzt. «Jugendliche, junge Erwachsene in Gruppen, Rauschmittelkonsum, Personen mit Migrationshintergrund und professionelle Banden aus Osteuropa sind momentan für den Anstieg von Ereignissen verantwortlich.»

Im Klartext: Pöbelndes Partyvolk und kriminelle Ausländer machen unsere Züge unsicher.

Die SBB listen drei Brennpunkte auf: Drohungen und Tätlichkeiten gegen das SBB-Personal, Tätlichkeiten gegen Mitreisende – und Diebstähle.

Personal wird bespuckt

Tätlichkeiten gegen das Zugpersonal nahmen im ersten Halbjahr 2012 gegenüber der Vorjahresperiode um 22 Prozent zu. In Zahlen: 110 SBB-Angestellte wurden angegriffen. Fast fünfmal so viele (539) wurden bedroht oder übel angepöbelt. Das entspricht einer Zunahme von 32 Prozent.

Ein Gewalt-Trend macht den Sicherheitsverantworlichen besondere Sorgen: «das gezielte Anspucken des Zugpersonals». Auslöser solcher Übergriffe seien oft «Diskussionen mit den Reisenden über fehlende Fahrausweise», welche sich «bis zur Tätlichkeit hochschaukeln».

Viele, aber längst nicht alle Angriffe landen bei der Justiz: Die SBB brachten im ersten Halbjahr 104 Fälle von Tätlichkeit, Gewalt, Drohung und Belästigung zur Anzeige.

Die weitere Entwicklung sehen die SBB pessimistisch. Man gehe davon aus, «dass die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung gegen das Personal tief bleibt», heisst es im Bericht weiter. Besonders bei «Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Personen unter dem Einfluss von Rauschmitteln und Personen aus anderen Kulturkreisen» werde der Respekt gegenüber dem SBB-Personal weiter sinken.

Besonders stark betroffen sind die Agglomerationen Genf, Lausanne und Zürich. In der Westschweiz geht die Zunahme von Gewalt gegenüber dem Zugpersonal vor allem auf das Konto von Schwarzfahrern.

In der Region Zürich wirken sich, so die Analyse der  SBB, «die 24-Stunden-Gesellschaft und ein ausgeprägtes Nachtleben» negativ aus: Die meisten Probleme gibt es auf dem ZVV-Netz.

Passagiere prügeln sich

Immer häufiger werden auch Mitreisende Opfer von Gewalt. Die Tätlichkeiten haben im ersten Semester um 125 Prozent zugenommen! 106 Attacken auf Passagiere wurden aktenkundig. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 47.

Die Zunahme von Streitigkeiten und Prügeleien erklärt die SBB-Studie mit dem «laufenden Angebotsausbau in den grossen Bahnhöfen». Immer mehr Menschen halten sich immer länger in Bahnhöfen auf, insbesondere zu Randzeiten – entsprechend nehmen laut SBB die «Aggressionspotenziale» zu.

Kunden werden beklaut

Die am häufigsten gemeldeten Vorfälle bei den SBB sind Diebstähle. 816 Personen wurden im ersten Halbjahr Opfer von Taschendieben oder Räubern, 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei sind längst nicht alle Fälle erfasst, die SBB gehen von einer «hohen Dunkelziffer» aus: Viele Reisende erstatten Anzeige bei der Polizei; diese Fälle gehen nicht in die Diebstahl-Statistik der SBB ein.

Hauptverantwortliche für die Klauerei sind offensichtlich Kriminaltouristen. «Professionelle Banden aus Osteuropa und Nordafrika bewegen sich gezielt in Zügen und Bahnhöfen», schreiben die SBB.

Viele Gruppen haben sich spezialisiert: So entwendet eine Profi-Bande aus Polen regelmässig

Gepäck aus den Wagons. Im Raum Zürich sind vor allem Diebe aus dem ehemaligen Jugoslawien und Nordafrika aktiv. In der Westschweiz stellen Roma das grösste Problem dar.

Besonders aktiv sei zurzeit eine schweizweit agierende «Gruppierung aus Bulgarien, bei welcher sich Frauen auf Trickdiebstähle bei Kunden oder auch auf Ladendiebstähle in und um Bahnhöfe spezialisiert haben», heisst es im Papier. Die Bande sei auch nach Deutschland gut vernetzt.

Mit einer Entspannung an der Diebstahl-Front rechnen die SBB nicht: Aufgrund der zentralen Lage der Schweiz und der Möglichkeit zur schnellen, unerkannten Ausreise in Nachbarländer sei es wahrscheinlich, dass Banden aus Osteuropa «weiterhin sehr aktiv bleiben». Man hoffe immerhin, dass die Zahl der von Nordafrikanern begangenen Delikte mit dem Beginn der Rückschaffungsmassnahmen des Bundes zurückgehen werde.

Immerhin konnte die Polizei im ersten Halbjahr 272 verdächtige Diebe festnehmen.

SBB: «Ja, es stimmt»

Die SBB bestätigen die Recherchen von SonntagsBlick. «Es stimmt, im letzten Semester haben Tätlichkeiten zugenommen», sagt Sprecherin Lea Meyer. Gesellschaftliche Entwicklungen machten eben «nicht vor Zugtüren halt». Das Sicherheitsniveau bei den SBB entwickle sich «parallel zu jenem der Kantone und Städte».

Pro Jahr investieren die SBB derzeit 37 Millionen Franken in die Sicherheit von Kunden und Personal. «Unser Sicherheitsniveau ist auf einem hohen Stand», betont Meyer. Regelmässige Umfragen bestätigten «das hohe Sicherheitsempfinden unserer Kunden». Auf dem gesamten Netz sei es im vergangenen Monat zu 37 Vorfällen gekommen, «also rund einem pro Tag. Das ist bei rund einer Million Kunden pro Tag sehr wenig.» Weitere Massnahmen seien dennoch geplant, man nehme das Thema ernst.

«Jeder Vorfall ist einer zu viel. Wir tun alles, um solche zu vermeiden», sagt Meyer. Geplant seien beispielsweise der  Ausbau von Präventionsarbeit und Videoüberwachung sowie die Ausweitung der Doppelbegleitung durch SBB-Angestellte in Fernverkehrszügen.

Verbände sind besorgt

Andreas Menet, Zentralpräsident des Zugpersonalverbands (ZPV), ist über die Entwicklung trotzdem besorgt. «Wir müssen rechtzeitig Gegensteuer geben, bevor es zur Eskalation kommt», sagt er. So sollen die SBB in Zukunft verstärkt mit Polizei und Politik zusammenarbeiten.

Ende November will der ZPV eine entsprechende Petition bei der SBB-Spitze einreichen (siehe Box). Auch Giorgio Tuti, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals, sieht Handlungsbedarf: «Wir haben von unseren Mitgliedern die Rückmeldung, dass Aggressionen aller Art zunehmen.» Er fordert in Zügen und an Bahnhöfen eine angemessene Polizeipräsenz – nicht nur in den grossen Zentren.

Ärger im Spielcasino: Viele halten sich nicht an Dresscode

publiziert am 05.11.2012 auf 20min.ch

Im neuen Zürcher Spielcasino versuchen Männer trotz Kleidervorschriften immer wieder, ohne Kragen Einlass zu erhalten. Doch die Security bleibt hart.

«Wir wünschen von unseren Gästen eine gepflegte und dem Ambiente eines Casinos angepasste Kleidung – Herren mit Kragen.» So lauten die Kleidervorschriften des neuen Zürcher Spielcasinos im Haus Ober. Männer müssen also entweder Hemd, Polo-Shirt, T-Shirt mit Jackett oder Rollkragenpulli tragen. Das ist der strengste Casino-Dresscode der Schweiz.

Kein Wunder, musste die Security in den ersten Tagen öfters Besucher abweisen. «Es gibt etliche, die es ohne Kragen versuchen – für solche Fälle hängen aber gratis 150 schwarze Vestons zum Ausleihen bereit», sagt Direktor Michael Favrod zu einem Bericht auf DRS 1. Eine Lockerung sei kein Thema.

In allen anderen Casinos ist man weniger streng: In Pfäffikon SZ etwa, das zum selben Unternehmen gehört wie Zürich, dürfen Männer mit T-Shirt rein. In Basel sind gar Shorts, Flip-Flops und löchrige Jeans erlaubt. «Dort verkehren viele Franzosen, deren Kleidungsstil ist legerer», erklärt Favrod, der vorher in Basel tätig war. «Zürich ist anders – wir verlangen ja keine Krawatte, doch der Kragen muss sein.»

Style-Expertin Luisa Rossi findet dies angebracht: «Ein Casino hat Glamour – damit das Gesamtbild stimmt, muss man einen Dresscode festlegen, sonst wird es schnell very casual.» Frauen sind übrigens im Vorteil: Zwar wird in Zürich auch von ihnen gepflegte Garderobe erwartet, aber Vorschriften bezüglich Kleidungsstücke gibt es keine.

Ausländer gegen grüne Eindringlinge

publiziert am 05.11.2012 auf TagesAnzeiger.ch

Immer mehr ausländische Pflanzen bedrohen die hiesige Flora. Weil die Bekämpfung durch Fachleute zu teuer ist, sollen nun Asylsuchende ran an die Giftspritzen.

Sie kommen aus dem Ausland und bedrohen den Flur-Frieden in der Schweiz. Sie heissen «Staudenknöterich» oder «drüsiges Springkraut», zusammenfassend Neophyten genannt. Darunter versteht man Pflanzen, die ursprünglich nicht in der Schweiz heimisch waren, sich nun aber in der hiesigen Flora ansiedeln, ausbreiten und Schäden anrichten. Sehr zum Missfallen von Umweltverbänden wie Pro Natura.

Erster Schritt zur Integration

Bislang hatte man versucht, der eindringenden Flut der Neupflanzen mit Zivilschützern Herr zu werden. Doch nun hat der Kanton Aargau eine neue Idee. Asylbewerber sollens richten, das berichtete die «Aargauer Zeitung» in ihrer heutigen Ausgabe (Artikel online nicht verfügbar). Für Fachleute würden die Finanzen einfach nicht reichen, beklagt Pro-Natura-Chef Johannes Jenny. Deshalb überlege man sich nun, auf anderweitige Hilfe zurückzugreifen.

Ausländer gegen «Ausländer» – ob das gut kommt? Mehr noch, die Lösung sei für beide Seiten ideal, sagt Jenny. Schliesslich biete das Programm motivierten Asylbewerbern eine sinnvolle Tätigkeit im Rahmen eines kantonalen Beschäftigungsprogrammes. Vielen Asylbewerbern, denen die Erwerbstätigkeit von Gesetzes wegen untersagt ist, seien solche freiwilligen Programme hochwillkommen. Entsprechend sei mit einem motivierten Einsatz gegen die Neophyten zu rechnen. Und so kann auch der Kanton Aargau der Idee einiges abgewinnen. Man habe immer Interesse an sinnvollen Beschäftigungsprogrammen, gab der Sprecher des Departements für Gesundheit, Balz Bruder, zu Protokoll, als man ihn zum Vorschlag befragte. Und so hat man sich unüblich schnell dazu entschlossen, das Programm anzupacken, entschieden wird nächste Woche. Bereits im Frühling 2013 dürften also Asylbewerber mit dem Kampf gegen ausländische Pflanzen beginnen. Ein idealer erster Schritt zur Integration, so heisst es.

Die Offene Kirche hat ausgekuschelt

publiziert am 03.11.2012 auf 20min.ch

Seit September wurden in der Offenen Kirche St. Galler Kuschelabende durchgeführt. Doch es blieb nur bei einem Treffen. Denn das Projekt scheiterte am internen Protest.

Die Offene Kirche St. Gallen hat ihr Kuschelprojekt gestoppt. Die Events, bei denen sich fremde Menschen gegenseitig berühren und streicheln, hatte heftige Reaktionen bei Kirchgemeinden und deren Mitgliedern ausgelöst. Nun will sich die Offene Kirche neu positionieren.

Die von Fachleuten geführten Kuschelabende sollten Menschen die Möglichkeit geben, das Bedürfnis nach körperlicher Nähe zu stillen. Die Teilnehmer sollten sich in einem sicheren Raum entspannen, indem sie sich gegenseitige streicheln und berühren.

«Kuscheln ist ein Urbedürfnis des Menschen und hat nichts mit Sex zu tun», heisst es im Programm auf der Website der Offenen Kirche St. Gallen, der katholische und evangelische Kirchgemeinden der Agglomeration St. Gallen angehören.

Der Kuschelabend von Anfang September - als erster einer Reihe solcher Abende unter dem Titel «Zeit zum Kuscheln» gedacht - blieb jedoch der einzige. Aus Protest traten Kirchgemeinden und private Mitglieder aus dem Projekt Offene Kirche aus, was finanzielle Einbussen zur Folge hat. In Medienberichten und Leserbriefen machten sich Gegner und Befürworter Luft.

Ein Tabubruch 

Das Kuscheln habe das Fass zum Überlaufen gebracht, sagte Daniel Schmid Holz, der die Evanglisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen im Vorstand der Offenen Kirche vertritt, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

«Viele Menschen empfinden Kuschelpartys als Tabubruch, da im Umgang mit Zärtlichkeit und Berührungen die Grenze zwischen Intimität und Öffentlichkeit verletzt wird», sagte Schmid.

Der Vorstand der Offenen Kirche sei zwar von Anfang an vom Kuschelprojekt nicht begeistert gewesen, wollte dem Projektleiter jedoch nicht dreinreden. Nach den Protesten wurde das Kuscheln gestoppt.

«Die heftigen Reaktionen zeigen, dass sich die Offene Kirche mit den Kuschelpartys keinen guten Namen macht», sagte Schmid. Deshalb sei es nun Zeit, das Programm und die Zusammenarbeit mit dem Projektleiter und Initianten der Kuschelabende zu überdenken.