Bauer Stöckli und die Stögelischuhe

publiziert am 30.11.2012 auf Blick.ch

Die russische Mieterin vom Bauern-Ehepaar Stöckli witterte eine Verschwörung nach der anderen. Sie habe Teile des Parketts rausgerissen und Löcher in die Tür getreten, sagen die Stöcklis.
Die Akten im Fall Lioudmila S.* (41) bedecken den ganzen Esstisch. «Die Russin hat uns fast wahnsinnig gemacht», sagt das Ehepaar Erika (60) und Walter Stöckli (53) aus Hinwil ZH. «Sie behauptet, wir hätten sie mit Abgasen unserer Traktoren vergiftet.»

Als die geschiedene Russin 2008 ins Haus der Bauernfamilie Stöckli einzieht, scheint alles in bester Ordnung. «Sie zahlte ihre Miete pünktlich. Es gab keine Probleme.»

Im Frühling 2011 ändert sich das. Aus der Muster- wird plötzlich eine Problem-Mieterin. «Sie beschuldigte mich, ich würde ständig meine Traktoren im Leerlauf laufen lassen», sagt Walter Stöckli.

In einem der Briefe an die Stöcklis schreibt Lioudmila S.: «Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand kann sich in dieser Wohnung aufhalten. Es ist kaum möglich, den katastrophalen, scheusslichen Gestank aus der Wohnung wegzulüften.» Alles sei schon voller Russ.

Für Landmaschinen-Mech Walter Stöckli völlig absurd. «Ich lasse meine Traktoren doch nicht zum Spass laufen. Wenn das so wäre, wäre auch unsere Wohnung betroffen.»

Ausraster in der Nacht

In der Nacht zum 1. November 2011 flippt die Russin komplett aus. «Morgens um halb vier schrie sie auf der Terrasse rum: ‹Ihr wollt mich vergiften!›», sagt Erika Stöckli. Minuten später donnert es an ihre Tür. Die zwei Löcher sind heute noch zu sehen. «Sie trug wohl Stögelischuhe, als sie die Tür eintreten wollte», so Erika Stöckli.

Die Polizei muss die Russin beruhigen. Stunden später geht es erneut los. «Wieder mussten wir die Polizei rufen! Wir haben dann eine Anzeige wegen Sachbeschädigung gemacht.»

Vor ihrem Auszug im letzten Januar gibt die Russin noch einmal alles: Sie verwüstet ihre Wohnung! «In einem Zimmer riss sie Teile des Parketts raus», erzählt Walter Stöckli. «Damit ging sie zu den Behörden. Sie wollte, dass diese am Parkett riechen, weil es nach Abgas stinke.»

Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil wegen der Sachbeschädigung akzeptiert die Russin nicht. Es hatte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Franken und einer Busse von 200 Franken verurteilt.

Zweifel an Schuldfähigkeit

Gestern stand Lioudmila S., die von Sozialhilfe lebt, darum vor dem Zürcher Obergericht. «Sie sagten, dass Sie sogar zu wenig Schaden verursacht hätten?», fragt der Gerichtspräsident. Die Russin geht nicht darauf ein: «Ich habe Asthma. Herr Stöckli hat das Haus mit Abgasen gefüllt. Alles steckte in den Backsteinen.»

Nach einer halben Stunden brach das Gericht die Verhandlung ab. «Wir glauben, dass sie eine Verteidigung benötigen und Zweifel an ihrer Schuld­fähigkeit bestehen», so der Gerichtspräsident. Nun muss sich die Vorinstanz nochmals mit der Russin befassen.

Auch das Ehepaar Stöckli hat noch immer keine Ruhe. «Sie hat uns kürzlich beim Veterinäramt angezeigt. Wir würden zu unseren Schweinen und Kälbern nicht gut schauen», so Walter Stöckli.

* Name der Redaktion bekannt