publiziert am 12.11.2012 auf Blick.ch
Achille C. und Domenico F.* (77) wollten am Donnerstagmorgen Grappa brennen. Doch nun ist die gesamte Destillieranlage zerstört und die beiden Schnapsbrenner wurden verletzt.
Höllische Schmerzen plagen Achille C.* (78). Der Rentner aus Biasca TI schlägt drei Kreuze. «Ich danke Gott, dass ich noch lebe. Es hätte viel schlimmer kommen können», meint er. «Zum Glück brannten nur meine Füsse.»
Kopfschüttelnd schaut er in den zertrümmerten Schuppen an der Via al Maglio. Im Dach klafft ein Loch. Die Wellblechwände sind aufgeplatzt. Die alte Destillieranlage ist zerfetzt.
«Ein Desaster», sagt das Mitglied der Schnaps-Kooperative in Biasca. Achille C. und Domenico F.* (77) wollten am Donnerstag Grappa brennen. Das machen sie seit 20 Jahren. Die Kooperative zählt 230 Mitglieder, produziert bis zu 4000 Liter Grappa im Jahr.
Am Morgen haben die Rentner den 50 Jahre alten Kupferkessel angeheizt. «Daraus schmeckt der Grappa besonders gut», sagt Achille C. Um halb zwölf will er Dampf ablassen, dreht den Hahn auf. «Da gabs einen Knall. Ich flog fünf, sechs Meter weit, plumpste auf den Boden. Wir sahen nichts mehr. Alles war voller Dampf.»
Einen Grappa zur Beruhigung
Ein Nachbar, der die Detonation mitbekam, erzählt: «Ich sah ein Ding 150 Meter weit durch die Luft fliegen.» Das war der Kupferkessel, er landete auf dem Feld. «Gott sei Dank», sagt Nonno Achille, «ist niemand anderes zu Schaden gekommen.»
Die Rentner aber werden beide verletzt. «Meine Füsse erlitten Verbrennungen zweiten Grades, die Haut wurde abgezogen. Sie tun mir höllisch weh», sagt Achille C. Und Domenico F. erzählt: «Ich habe bei der Explosion einen Schlag in die Seite bekommen und mir wahrscheinlich eine Rippe gebrochen.»
Schnaps brennen können sie in Biasca nicht mehr. «Das wieder aufzubauen, kostet mindestens 100 000 Franken», meint Achille C., «so viel Geld haben wir nicht. Aber auf den Schrecken genehmigen wir uns noch einen Grappa. Das lassen wir uns nicht nehmen!»
* Namen bekannt