Nur die bessere Hälfte eines Herbizids wirkt

publiziert am 04.12.2012 auf der News-Website der Schweizer Bundesverwaltung

Wädenswil, 04.12.2012 - Ein und derselbe chemische Wirkstoff kann zwei Molekül-Formen enthalten, die wie Bild und Spiegelbild zueinander stehen. Fachleute von Agroscope entwickelten ein Verfahren zur Trennung der beiden Formen, die im Herbizid Beflubutamid vorhanden sind. Sie konnten nachweisen, dass nur die eine Form gegen Unkräuter wirkt, während die andere vollkommen inaktiv ist. Gelänge es, die wirksame Form im industriellen Massstab rein herzustellen, könnte so die Herbizid-Aufwandmenge in der Landwirtschaft halbiert werden.

Der massvolle und gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist eine wichtige Grundlage einer nachhaltigen Landwirtschaft. Agroscope entwickelt deshalb Strategien, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz weiter zu reduzieren und doch die erwünschte Wirkung zu erzielen. Ein möglicher Ansatzpunkt besteht darin, dass in Wirkstoffen nur noch die wirksame von zwei Molekül-Formen enthalten ist (Details siehe Kasten) - etwa beim Herbizid Beflubutamid.

Aktive Form einsetzen - Umwelt schonen

Beflubutamid ist ein modernes Herbizid gegen Unkräuter im Getreidebau, das derzeit als Gemisch von zwei spiegelbildlichen Formen auf dem Markt ist - die beiden Formen sind zu je 50 Prozent im Produkt vorhanden. Um die Eigenschaften von Bild und Spiegelbild von Beflubutamid untersuchen zu können, entwickelte Agroscope ein analytisches Verfahren zur Gewinnung von kleinen Mengen der beiden Formen. Deren Wirkung auf Unkräuter wurde anschliessend im kleinen Massstab untersucht. Die Fachleute konnten dabei zeigen, dass nur eine der beiden spiegelbildlichen Formen gegen Unkräuter wirkt, während die andere vollkommen inaktiv ist.

Würde man das heute auf dem Markt befindliche Produkt durch eines ersetzen, welches nur die aktive Form enthält, liesse sich damit die Herbizid-Aufwandmenge halbieren - bei gleicher Wirkung auf die Unkräuter. Mit solchen Pflanzenschutzmitteln kann man zudem vermeiden, dass inaktive Verbindungen als unnötiger „Ballast" in die Umwelt gelangen.

Bild und Spiegelbild bei chemischen Verbindungen

Wenn ein und derselbe chemische Wirkstoff in zwei Molekül-Formen vorliegt, die wie Bild und Spiegelbild zueinander stehen, spricht man von Enantiomeren. Diese unterschiedlichen Formen einer chemischen Verbindung unterscheiden sich zwar nicht in der Menge und Art der Bindungen zwischen den Atomen, aber durch geringfügige Unterschiede in der räumlichen Anordnung der Atome. Enantiomere haben deshalb oft unterschiedliche biologische Eigenschaften (z.B. herbizide Wirkung), während die chemischen und physikalischen Eigenschaften mit wenigen Ausnahmen identisch sind (z.B. Wasserlöslichkeit). Die Herstellung von enantiomerenreinen Verbindungen ist aber noch aufwändig und teuer.

Bildlegende: Herbizidwirkung der aktiven Form von Beflubutamid(links). Das Herbizid bewirkt ein Ausbleichen der Blattpigmente, was letztlich zu einer Störung der Photosynthese führt. Das Pflänzchen rechts wurde mit der gleichen Menge der inaktiven Form behandelt und zeigt eine normale Blattfärbung.

Erste grössere Schäden durch Pfirsichwickler

publiziert am 03.12.2012 auf der Website des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements

Changins, 03.12.2012 - Obwohl der Pfirsichwickler (Grapholita molesta) seit mehreren Jahrzehnten in der Schweiz vorkommt, wurde seiner Anwesenheit bis anhin kaum Beachtung geschenkt. Dieses Jahr verursachte dieser Falter jedoch zum ersten Mal grössere wirtschaftliche Verluste im Westschweizer Pfirsich- und Birnenanbau. Agroscope hat sich dem Schädling angenommen und wird basierend auf spezifischen Sexualduftstoffen (Pheromone) und Viruspräparaten nun eine nachhaltige Bekämpfungsstrategie ausarbeiten.

Ursprünglich in Asien beheimatet hat sich der Pfirsichwickler im letzten Jahrhundert weltweit in den Obstbaugebieten der gemässigten Zone angesiedelt. In der Schweiz und insbesondere im Tessin kommt der Schädling nun schon seit bald 80 Jahren vor, ohne dabei von grösserer ökonomischer Bedeutung zu sein. Der Pfirsich ist seine wichtigste Wirtspflanze, doch Birne, Apfel, Quitte, Aprikose und Pflaume können ebenfalls befallen werden. Die nachtaktiven Adulten sind nur etwa 16 mm gross und unscheinbar graubraun. Die Weibchen legen um die 50 einzelne, grauweisse Eier auf Blätter und Früchte, aus denen nach wenigen Tagen kleine, weissliche Larven schlüpfen. Diese bohren sich in die Endknospen von Trieben oder in Früchte ein, durchlaufen dort fünf Larvenstadien und suchen danach einen geschützten Ort zur Verpuppung auf. Der Lebenszyklus des Pfirsichwicklers dauert je nach Wirtspflanze und Temperatur zwischen 4 bis 7 Wochen. Insgesamt durchläuft das Insekt in unseren Gefilden zwischen April und Oktober vier bis fünf Generationen, wobei sich die einzelnen Generationen ab dem Sommer überlagern.

Grössere Schäden

In diesem Jahr signalisierten die Westschweizer Produzenten zum ersten Mal grössere Schäden bei Pfirsichen und Birnen. In einzelnen Obstanlagen der La Côte waren mehr als 10 % der Früchte befallen. Weitere Abklärungen von Agroscope haben bestätigt, dass es sich bei den Larven, die in den befallenen Früchten gefunden wurden, um Larven des Pfirsichwicklers handelte.

Nachhaltige Bekämpfung

Der Pfirsichbaum ist der Hauptwirt des Pfirsichwicklers. Stehen solche Bäume in der  Nähe anderer Obstanlagen, sollten diese einer verstärkten visuellen Kontrolle unterzogen werden, denn Birne, Apfel, Quitte, Aprikose und Pflaume können auch befallen werden. Der Einsatz der Verwirrungstechnik mittels Sexualduftstoffen (Pheromone) kann in Anlagen, die bereits dieses Jahr vom Pfirsichwickler befallen wurden, eine Reduktion der Wicklerpopulation bewirken. Pheromondispenser, die gegen den Kleinen Fruchtwickler (Grapholita lobarzewskii) eingesetzt werden, wirken ebenfalls gegen den Pfirsichwickler. Ausserdem ist in der Schweiz bereits ein artspezifisches Pfirsichwickler-Virenpräparat bewilligt. Der gezielte Einsatz dieser beiden Bekämpfungsmethoden wird den Befallsdruck deutlich senken. Daneben werden Insektizide, die in den Kulturen gegen die herkömmlichen Falter und Wickler eingesetzt werden, die Pfirsichwicklerpopulation zusätzlich dezimieren.

Agroscope fordert die Produzenten und die kantonalen Fachstellen dazu auf, wachsam zu sein und mögliche Schäden zu melden. Gleichzeitig wird Agroscope mit den verschiedenen Akteuren nachhaltige Bekämpfungsstrategien ausarbeiten, welche in die Integrierte Produktion und in den Biolandbau integriert werden können.